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Zentralbanken ohne Punktlandung

Donnerstag, 6. Juni 2024 um 21:48

Von Thomas Grüner
Können Jerome Powell und Christine Lagarde einen Volltreffer landen? Experten sind gespannt darauf, denn die jüngsten Inflationsdaten deuten darauf hin, dass sich sowohl die Fed als auch die EZB ihren Inflationszielen nähern. Viele sehen jedoch in der sich verlangsamenden Verbesserung ein Zeichen dafür, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um eine Punktlandung bezüglich der Zielvorgaben hinzulegen.

Der amerikanische Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) stieg im April um 2,7 Prozent im Jahresvergleich und blieb damit gegenüber dem März unverändert, während sich der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Eurozone (HVPI) im Mai von 2,4 Prozent im April auf 2,6 Prozent im Jahresvergleich beschleunigte. Beide Messgrößen bewegen sich seit Oktober 2023 in einer Spanne von 2,4 Prozent bis 2,9 Prozent, was dem jeweiligen Inflationsziel der Fed und der EZB von 2 Prozent im Jahresvergleich recht nahe kommt.

Sollte die Fed mehr tun?

Die jüngsten Zahlen stehen im Einklang mit der allgemeinen Abschwächung der Inflation in den USA und Europa. Viele argumentieren jedoch, dass die „langsame“ Abkühlung bedeutet, dass die Zentralbanker handeln müssen, um noch näher an ihr Idealziel von 2 Prozent heranzukommen. Diese Meinung teilen wir nicht, denn die Ziele sind gar nicht klar definiert. Natürlich geben EZB und Fed auf ihren Websites eindeutig an, dass ihr Ziel bei 2 Prozent liegt. Die EZB beobachtet die Veränderung des HVPI auf „mittlere Sicht“, die Fed verfolgt den PCE-Preisindex „auf längere Sicht“. Allerdings fehlt jeweils der konkret angegebene Zeitrahmen, wodurch kein sinnvoller Durchschnitt berechnet werden kann. Im Grunde könnte man immer dann von Erfolg sprechen, wenn die Zahlen in einem selbst gewählten Zeitraum „funktionieren“.

Ungewisses Ziel

Die Richmond Fed, eine der zwölf lokalen Fed-Banken, verweist selbst darauf, dass „die Fed das Zeitfenster nicht definiert hat, über das es zurückblicken würde, um den Fortschritt in Richtung seines Ziels zu bewerten“. Dies wirft die Frage auf: Was genau streben die Zentralbanker heute an – eine Inflation, die über, bei oder unter dem Ziel liegt? Niemand kennt die Antwort, was deutlich macht, wie aussichtslos der Versuch ist, die Schritte der Zentralbanken vorherzusagen.

Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Zentralbanker die Inflationsraten bis auf die Nachkommastellen genau abstimmen können. Die Fed hat ihr Ziel von 2 Prozent im Jahr 2012 offiziell bekannt gegeben und war nicht sehr erfolgreich dabei, es zu erreichen. Dies erklärt unserer Ansicht nach, warum die Fed das ursprünglich klare Ziel zugunsten dieses undefinierten Durchschnittswertes im Jahr 2020 aufgegeben hat.

Ähnlich war es bei der EZB. Seit 2003 lag das Inflationsziel der Bank bei „unter, aber nahe 2 Prozent“, bevor sie im Jahr 2021 diese Marke ausdrücklich als „mittelfristiges Ziel“ anstrebte. Dennoch lag die Inflation in der Eurozone in den vergangenen zwei Jahrzehnten zumeist über oder deutlich unter dieser Schwelle.

Fazit: Da alle Augen auf die EZB-Sitzung in dieser Woche gerichtet sind – und auf die Fed-Sitzung in der nächsten Woche –, ist mit lauten Diskussionen zu rechnen, was die Zentralbanker tun und lassen sollten. Aber man sollte ihr Handeln nicht überbewerten. Die Geldpolitik ist ein stumpfes Instrument, das mit einer unbestimmten Verzögerung wirkt. Es gibt keine Beweise dafür, dass die Zentralbanken auch nur versuchen können oder sollten, die Inflationsraten auf das Komma genau zu bestimmen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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