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Bitcoin: Wie soll das denn gehen?

Donnerstag, 2. November 2023 um 09:07

Von Bernd Niquet

In den vergangenen Wochen habe ich ein paar Videos von Marc Friedrich auf YouTube gesehen und war sehr angetan. Denn er behandelt heiße Themen, bleibt dabei jedoch stets reflektiert.

Ich habe mir viele Gespräche von ihm angehört und sie haben mir eigentlich alle sehr gefallen.

Umso erstaunter war ich, als er plötzlich auf das Thema Bitcoin kam. Denn da passiert dann leider genau das, was ich bei so vielen Leuten erlebe, wenn es um ein neues Geldsystem geht, denn da ist dann aus meiner Sicht bei ihnen das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Wie schade.

Ich will hier jetzt daher nichts Negatives sagen, sondern einfach nur ein paar Anmerkungen machen und Fragen stellen, die für alle, die mit dem Bitcoin sympathisieren, von Interesse sein könnten.

(1) Den Unmut von Marc Friedrich und den Bitcoin-Apologeten über die Geldpolitik der Notenbanken in der EU, den USA etc. teile ich vollkommen.

(2) Um an dieser Stelle jedoch weiterzukommen, muss man sich, so glaube ich, klarmachen, was eine Währung ist und was hingegen niemals eine Währung sein kann.

(3) Lustig ist, dass die Hauptkritik der Bitcoin-Anleger darin besteht, dass sie unserem Geldsystem unterstellen, Geld aus dem Nichts zu schaffen, sich dann jedoch für enorm viel von diesem Geld ein wirkliches Nichts kaufen.

(4) Eine Schaffung von Geld aus dem Nichts durch die Zentralbanken gibt es nicht und kann es nicht geben, weil jeder Geldemission zwangsläufig der Ankauf eines Aktivums oder die Hereinnahme eines Pfandes entsprechen muss. Ansonsten würde die Bilanz ja nicht aufgehen.

(5) Sämtliches Papiergeld ist daher zwangsläufig in irgendeiner Weise „gedeckt“. Das können werthaltige Aktiva sein, allerdings auch notleidende Anleihen, bei uns vor allem von Problemstaaten im Euroraum. Hier liegt natürlich ein großes Problem.

(6) Doch selbst wenn ein oder mehrere Staaten, deren Anleihen sich auf der Aktivseite der Bilanz der EZB befinden, Pleite machen würden, wird das niemals zu einer Wertlosigkeit unseres Geldes führen. Ein Schnitt ist allerdings durchaus möglich.

(7) Das Papiergeldsystem ist daher mit gewissen Risiken behaftet, ein Totalverlust jedoch ausgeschlossen. Denn das Leben muss ja weitergehen und es wird daher eine politische Lösung geben.

Dafür ist unser Papiergeldsystem jedoch extrem flexibel und wir können mit ihm sehr gut auf Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität reagieren und Krisen abfedern. Was in einem starren System einer Golddeckung oder einer ansonsten festgeschriebenen Geldmenge unmöglich ist.

(8) Könnte der Bitcoin oder ein ähnliches Konstrukt daher dieses Währungssystem ersetzen? Und was ist und soll der Bitcoin eigentlich sein, eine Form der Geldanlage oder selbst Geld? Bisher habe ich darüber jedoch weder von Marc Friedrich noch von sonst jemandem eine klare Aussage gehört.

(9) Ich halte es für die größte Fehleinschätzung aller Kritiker des von Zentralbanken gesteuerten Papiergeldsystems, dass sie inflationäre Entwicklungen auf ein Zuviel an Geld zurückführen.

Denn Inflationen liegen immer realwirtschaftliche Probleme zugrunde, was man ja gerade momentan und auch als Folge von Corona sehr klar erkennen kann.

(10) Verbunden damit ist ein noch weit tragischerer Irrglaube, nämlich dass ein weitgehend konstant gehaltener Geldumlauf wie bei einer Golddeckung oder beim Bitcoin zu Preisstabilität führt.

Da die wirtschaftliche Entwicklung in nicht zentral gelenkten Volkswirtschaften naturgemäß schwankt, wäre eine konstant gehaltene Geldmenge mit deren Funktionsbedingungen nicht vereinbar. Möglicherweise ließen sich dadurch zwar Inflationen verhindern, doch vor allem deshalb, weil eine derartige Volkswirtschaft relativ schnell in der Deflation zugrunde gehen würde.

(11) Mir fehlt daher auch jeder vernünftige Gedanke, wie man auf die Idee kommen kann, in einem weitgehend konstant gehaltenen Geldumlauf einen Stabilitätsfaktor sehen zu können. Selbst meine Phantasie reicht hierfür nicht aus.

(12) An dieser Stelle sollte klar sein, dass der Bitcoin niemals Währung oder Zahlungsmittel sein kann. Man stelle sich nur einmal vor, welchen Deflationsprozess Bitcoin-Länder mitmachen müssten, wenn die verrückten Anleger den Bitcoin-Kurs mal schnell um das Doppelte oder Vierfache in die Höhe schießen lassen würden.

(13) Jetzt könnte man natürlich einwenden, derartige Überlegungen meinerseits beruhen auf den Annahme, dass der Euro dann ja noch existiert, was jedoch gar nicht der Fall wäre, weil dann nur der Bitcoin die Währung wäre.

Doch großer Gott, bewahre uns davor, denn dann würde das Elend nicht nur erst irgendwann, sondern binnen kürzester Zeit einziehen.

(14) In der Quintessenz scheinen mir alle Kritiker unser aktuellen Währungen einem unrealisierbaren Traum anzuhängen, nämlich dass sich etwas Unperfektes wie das Papiergeldsystem durch etwas perfekt Passendes ersetzen ließe. Und dass dann die meisten Probleme gelöst wären.

Ich persönlich glaube, einem größeren Irrtum kann man überhaupt nicht aufsitzen.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. NEUNTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2023, 648 Seiten, 23,50 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

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Eigentlich war ich vollkommen sicher, dass jetzt die Zeit dieser ganzen Auseinandersetzungen hinter mir lag. Deswegen hatte ich auch extra meine Mietrechtschutzversicherung gekündigt.

Dann habe ich aber doch einmal in die Betriebskostenabrechnung hineingeschaut und musste unwillkürlich rechnen. 29.220 Euro im Jahr 2018 für die Reinigung der Treppen und Flure, das sind 93 Euro pro Haus pro Woche. Ich würde das jeweils in zehn Minuten schaffen, doch selbst wenn die ungelernte Hilfskraft zwanzig Minuten braucht, sind das 279 Euro Stundenlohn, den die Leiharbeitsfirma dafür einfährt.

Wer dabei nicht an Sizilien denkt, kann eigentlich nicht mehr voll bei Verstand sein. Doch genau das traf ja zu. Wo war ich hier nur hineingeraten?

Dem stand allerdings auf der Habenseite entgegen, dass ich höchstwahrscheinlich der einzige Mensch in unserem Land bin, dessen Leben durch die Corona-Pandemie nicht negativ tangiert wurde.

Und wenn diese Leute hier mich dann auch noch gut finden würden, dann hätte ich wirklich etwas falsch gemacht in meinem Leben.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt immer noch am letzten grünen Zipfel der Failed Stadt Berlin. Die ersten acht Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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