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Investiert sein – aber wie?

Freitag, 7. Juli 2023 um 13:24

Von Thomas Grüner
Im Rückblick auf das erste Halbjahr 2023 lässt sich zweifelsfrei erkennen, dass die globalen Aktienmärkte eine sehr dynamische Aufwärtsphase durchlaufen haben. Somit bestand das größte Risiko für Anleger darin, gar nicht in den Aktienmärkten investiert gewesen zu sein. Denn wer dynamische Bullenmarktphasen verpasst, läuft definitiv Gefahr, seine langfristigen Anlageziele nicht zu erreichen. Und der Aktienmarkt hat es den Anlegern wieder einmal nicht leicht gemacht, von der positiven Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf zu profitieren – denn im vorangegangenen Börsenjahr 2022 gab es für Anleger unzählige, vermeintlich logische Gründe, dem Aktienmarkt lieber den Rücken zuzukehren. Märkte lieben es, die Mehrheit der Anleger auf die falsche Fährte zu locken.

Top in 2022, Flop in 2023

Anleger neigen dazu, bei ihren Aktienkäufen Kategorien zu bevorzugen, die sich in der jüngsten Vergangenheit am besten geschlagen haben – der sogenannte Rezenz-Effekt. Gemäß diesem Prinzip erfreuten sich zum Jahreswechsel die Sektoren Energie, Gesundheit und Versorger großer Beliebtheit. Auf Ebene des MSCI World Index stellten sie die drei Sektoren mit der besten Performance im Kalenderjahr 2022. Technologie, Kommunikationsdienstleistungen und zyklische Konsumgüter belegten die letzten drei Plätze. Im ersten Halbjahr 2023 drehte sich dieses Bild ins komplette Gegenteil, die besten drei Sektoren wurden zu den schlechtesten drei Sektoren und umgekehrt.

Viel eher war im bisherigen Jahresverlauf ein ausgeprägter „Bounce-Effekt“ zu beobachten. Was im Jahr 2022 am meisten nach unten gedrückt wurde, stieg im Jahr 2023 umso dynamischer an. Wer zum Jahreswechsel also Schwerpunkte in den „unbeliebten“ Kategorien Technologie, zyklischer Konsum und Kommunikationsdienstleistungen gesetzt hat, kann umso mehr von einer dynamischen Bullenmarktphase sprechen.

Viele falsche Pferde

Unabhängig von der Performance in der jüngsten Vergangenheit verspüren Anleger tendenziell den Drang, in pessimistischen Marktphasen mit negativer Kursentwicklung nach „sicheren Kategorien“ im Aktienmarkt Ausschau zu halten. Diese Rolle wird von klassisch defensiven Sektoren ausgefüllt, die im vorliegenden Fall flächendeckend in die Kategorie „Top in 2022, Flop in 2023“ fallen – es gibt also vielfältige Ursachen, im Jahr 2023 bisher aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vergleich zwischen Dividendenaktien und dem breiten Aktienmarkt. Gerade in schwierigen Marktphasen werden Unternehmen, die hohe Dividenden ausschütten, als sicherer Hafen im Aktienbereich identifiziert. Dabei werden Cash-Flows oft mit Renditen verwechselt und auch in der Stilbetrachtung ist es im vorliegenden Fall so, dass Dividendenaktien im Jahr 2022 eine robuste Rolle gespielt haben, im bisherigen Jahresverlauf allerdings dem breiten Markt hinterherhinken.

Fazit: Der Rezenz-Effekt zeigt sich im Jahr 2023 vielseitig – zum Nachteil vieler Aktienanleger, die nicht in vollem Ausmaß (oder gar nicht) von der dynamischen Aufwärtsphase profitieren konnten. Die wichtigste Entscheidung ist sicherlich, weiterhin Zeit im Aktienmarkt zu verbringen – dieser Bullenmarkt ist noch längst nicht am Ende. Wir befinden uns jedoch in einer sehr selektiven Phase und es bleibt spannend, wenn der „Bounce-Effekt“ ausläuft und in eine Phase übergeht, in welcher ganz andere taktische Auswahlkriterien gefragt sind.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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