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Folgt nun die nächste Krise?

Donnerstag, 13. April 2023 um 19:16

Von Thomas Grüner
Etwas mehr als einen Monat nach der Pleite der Silicon Valley Bank geht die Suche nach möglichen Folgeschäden in die nächste Runde. Im Fokus steht die Kreditvergabe in den USA, die zuletzt im Wochenvergleich starke Rückgänge erlebte. Wenn Banken aus Angst um ihre Einlagen die Kreditvergabe einschränken und ihre Liquidität zusammenhalten könnte das zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums – im schlimmsten Fall zu einer tiefen Rezession – führen, so die Sorgen.

Aufsehen erregte zusätzlich die viel beachtete Umfrage der National Federation of Independent Business unter kleinen Unternehmen, welche strengere Kreditbedingungen im März zeigte. Ähnliche Ergebnisse berichtet eine Umfrage der Federal Reserve of New York, welche eine verschärfte Vergabepraxis für Verbraucherkredite vermuten lässt. Wird nun also die Bankenkrise zur Kreditkrise und in der Folge zur Wirtschaftskrise?

Kontext zählt

Wir sind überzeugt, dass die Beobachtung der Kreditvergabe nicht nur in diesen Tagen von großer Bedeutung ist. Gleichfalls glauben wir nicht, dass die bisherigen Daten Anlass zur Sorge geben – wie immer ist es der Kontext, der zählt. Zwar sank die Kreditvergabe in den USA in der Woche bis zum 22. März um 0,5 Prozent gegenüber der Vorwoche und in der darauffolgenden Woche um weitere 0,4 Prozent. Insbesondere Unternehmenskredite zeigten eine ausgeprägte Schwäche. Bei diesen Daten handelt es sich jedoch um bereinigte Daten. So versucht die Fed regelmäßig, saisonale Verschiebungen zu glätten. Normalerweise ist dies ein hilfreiches Tool – zum aktuellen Zeitpunkt wirken jedoch extreme Veränderungen der Kreditvergabedaten aus Corona-Zeiten nach, da die Faktoren anhand der Beobachtungen der vergangenen Jahre gewählt werden. In der Folge war der saisonbereinigte Rückgang in der vergangenen Woche in etwa doppelt so hoch wie der nicht bereinigte Rückgang.

Strengere Kreditbedingungen

Auch ein zweiter Faktor kam zum Tragen. Durch die Insolvenz der Signature Bank wurden Kredite in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar an die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) übertragen. In Dollar ausgedrückt, macht dies mehr als die Hälfte des Rückgangs der gesamten Bankkredite in den vergangenen zwei Wochen aus. Natürlich bedeuten diese Beobachtungen nicht, dass Kreditbedingungen nicht härter werden. Bereits seit Mitte 2022 melden vermehrt Kreditinstitute verschärfte Kreditvergabebedingungen für tendenziell krisenanfällige kleine Unternehmen. Doch noch immer sind die Folgen der Bankensorgen nicht klar erkennbar. Denn während Banken grundsätzlich vorsichtiger werden, scheinen die Unternehmen stabil mit Liquidität versorgt zu werden. Der Prozentsatz der kleinen Unternehmen, die ihren Kreditbedarf in den vergangenen drei Monaten als „zufriedenstellend“ bezeichneten, stieg von 25 auf 29 Prozent, während der Prozentsatz der Unternehmen, die ihren Kreditbedarf als „nicht zufriedenstellend“ bezeichneten, von 3 auf 2 Prozent zurückging.

Fazit: Je mehr sich die Schlagzeilen mit der schwachen Kreditvergabe befassen, desto mehr verliert sie ihre Überraschungskraft und desto einfacher fällt den Aktienmärkten der Umgang damit. Um Aktien drastisch nach unten zu drücken, bedarf es großer schlechter Nachrichten, über die niemand spricht. Ein kleiner, durch technische Faktoren verzerrter Rückgang der Kreditvergabe, der viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist dafür wahrscheinlich nicht geeignet. Halten Sie also die Augen offen, aber überreagieren Sie nicht.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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