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Zwischen Inflation und Bankenkrise

Donnerstag, 16. Mrz 2023 um 22:55

Von Thomas Grüner
Was wird die US-Notenbank Fed in der nächsten Woche tun? Da die jüngsten US-Wirtschaftsdaten die Erwartungen übertroffen haben, gingen viele Marktbeobachter davon aus, dass die Fed die Zinsen länger anheben müsste, um die Inflation zu bekämpfen. Doch dann kam der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) und die Stimmungslage änderte sich schlagartig. Jetzt wird spekuliert, ob die Fed vielleicht sogar die Füße stillhält oder nur eine geringfügige Leitzinserhöhung durchsetzt. Wie immer ist es allerdings so, dass die Entscheidungen der Fed schwierig zu prognostizieren sind – weshalb man als Anleger sein Hauptaugenmerk auf grundlegende Fakten richten sollte.

Inflation kühlt sich ab

Im Jahresvergleich ging die Steigerungsrate des insgesamten US-Verbraucherpreisindex auf 6,0 Prozent zurück, die niedrigste Rate seit September 2021. Sicherlich spielt der Basiseffekt hier weiterhin eine Rolle, welcher wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft geringere Steigerungsraten unterstützen wird, allerdings spricht auch die Entwicklung auf Monatssicht für eine grundlegende Abkühlung. Die Kerngüterpreise blieben im Monatsvergleich unverändert, ohne Berücksichtigung von Unterkünften stiegen die Dienstleistungspreise im Monatsvergleich nur um 0,1 Prozent. Natürlich gibt es innerhalb der einzelnen Kategorien deutliche Unterschiede, die spürbare Abschwächung der Inflation im Durchschnitt sendet dennoch ein wichtiges Signal. Es zeigt unserer Meinung nach, dass die bisherigen wirtschaftlichen Entwicklungen trotz der Fed stattfinden, nicht wegen ihr.

Märkte kommen ohne die Fed klar

Die Fed beeinflusst das Wirtschaftswachstum insofern, dass ihre Zinsschritte das Kreditwachstum beeinflussen können. Da die Banken aktuell aber nicht gezwungen sind, bezüglich neuer Einlagen in den Konkurrenzkampf zu treten – Einlagen sind zur Genüge vorhanden – mussten Banken die Zinserhöhungen der Fed bisher nicht an ihre Kunden weitergeben. In der Folge haben sich die Nettozinsmargen für die Banken bei der Fristentransformation ausgeweitet und ein schnelleres Kreditwachstum wurde gefördert. Dies hat dazu beigetragen, dass das BIP trotz der Zinserhöhungen wächst. In der Zwischenzeit haben sich die angebotsseitigen Inflationsfaktoren verbessert – das Geldmengenwachstum hat sich trotz des raschen Kreditwachstums deutlich verlangsamt, was zu einer Entspannung der Preise geführt hat. Mit anderen Worten: Die Fed hat einfach nicht die wirtschaftliche Kontrolle, die ihr von den meisten Marktbeobachtern zugeschrieben wird. Und die Inflation kühlt sich ab, unbeeindruckt von sämtlichen Diskussionen und Maßnahmen. Ob die Fed in der nächsten Woche die Zinsen anhebt oder nicht, sollte daher unserer Meinung nach für die Inflationsentwicklung keine große Rolle spielen.

Fazit: Der neue Fokus der Fed liegt nunmehr auf den Unruhen im Bankensektor. Aktuell ist noch nicht klar, wie sich die SVB-Pleite – und alle damit zusammenhängenden Folgeerscheinungen – auf das Kreditwachstum und die Einlagenpreise der Banken auswirken wird. Es wird ein paar Wochen dauern, bis sich dies in den Daten niederschlägt. Es scheint aber auch sehr unwahrscheinlich, dass die Angst vor einer Bankenkrise eine wesentlich schnellere Inflation auslösen würde, da sie für die Banken Anreize zur Risikoreduzierung schafft. Ungeachtet des Potentials, dass regionale Bankenkrisen zu mehr kurzfristiger Volatilität führen könnten, sind wir der Ansicht, dass eine kontinuierliche Normalisierung der Inflation im Jahresverlauf positiv wirken wird.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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