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Putin doch ein Guter?

Donnerstag, 28. April 2022 um 10:47

Von Bernd Niquet

Irgendwie haben wir das doch alle immer gewusst, oder? Als Land, das zwei Weltkriege angezettelt und beide verloren hat, wissen wir doch, wovon wir sprechen, oder?

Ja, es ist gar nicht so leicht, Frieden zu schließen, Deutschland hat das in beiden Weltkriegen ja auch verpasst. Wir verstehen also Putin. Dabei wollte er jetzt ja wirklich verhandeln.

Ja, er wollte verhandeln, nur als dann die Ukrainer kamen und sein schönstes Schiff kaputt gemacht haben, da wollte er nicht mehr. Das kann man doch auch verstehen, oder?

Uns ist Putin also nicht fremd, bei uns hatten ja auch viele eine schwierige Jugend. Und wenn dann plötzlich die Jungs vom Nachbarn gekommen sind und unser schönstes Schiff kaputt gemacht haben, das war doch wirklich wie ein Weltuntergang. Denn vorher hatten sie schließlich schon die Wiese da draußen für sich annektiert.

Uns bliebt doch dann gar nichts anderes mehr übrig, oder? Nein, kein „oder“. Deswegen haben wir in unserem tiefsten Innern eben auch Verständnis. So laufen die Dinge eben.

Und wer eine schwierige Jugend hatte, der wird doch bei uns auch gar nicht richtig bestraft, wenn er gefasst wird. So ist das doch bei uns. Warum daher Putin? Wir müssen doch nur etwas Entgegenkommen zeigen, dann geht das doch schon alles.

Wir haben doch auch sonst Verständnis, denn ansonsten könnte doch Frank-Walter Steinmeier nicht mehr Bundespräsident sein, oder?

Aus diesen ganzen Gründen war ich dann natürlich wirklich sehr verwirrt als ich in der „Welt“ diesen Artikel von dem polnischen Schriftsteller Szczepan Twardoch gelesen habe, der dort gerade im Online-Teil erschienen ist und heißt: Russland wird Russland bleiben – auch wenn Putin geht.

Armer Putin, dachte ich da. Aber dann hat mir dieser Artikel wirklich dermaßen die Augen geöffnet, dass ich gerne ein paar Sachen daraus weitergeben möchte.

Twardoch schreibt, dass er keinesfalls überrascht war so wie unsere Öffentlichkeit, diese Bilder aus Butscha zu sehen. Es wäre vielmehr überraschend für ihn gewesen, wenn russische Soldaten nicht vergewaltigt oder gemordet hätten.

Schließlich sei genau dieses Bild der russischen Welt in seiner Familienerinnerung tradiert. Und nicht nur dort. Denn Russland sei schon immer so gewesen. Russische Soldaten hätten schon immer geplündert, gemordet und vergewaltigt. Und wie könnte ich da als Deutscher widersprechen, der die ganzen Geschichten vom Kriegsende von den Augenzeugenberichten her kennt? Auch wenn ich das damals sogar irgendwie verstehen konnte.

„Die Russen“, so Twardoch weiter, „ersehnen ein großes Russland, ein Russland, das nicht einfach nur ein Staat ist, sondern die moralfreie Macht einer Urkraft in sich trägt. Gern opfern die Russen sich selbst für solch ein Russland, sie sind einverstanden damit, dass ein solches Russland nicht nur die Nachbarn, sondern auch sie selbst mordet.“

Das finde ich bemerkenswert. Twardoch schreibt dazu, dass selbst viele intelligente Russen es nicht nur begrüßen, dass Russland stets wie eine große Walze anrollt, die alles plattmacht, sondern sogar explizit einverstanden sind mit so einem Russland. Sie akzeptieren es nicht nur, sie begrüßen es sogar. Denn so ist es immer gewesen, schon seit jeher, und davon lebt das ganze Land.

Und wenn der Krieg dann aus ist, plädiert Twardoch gegen jede Neuauflage eines „zivilisierten“ Russland, gegen jedes neue Tauwetter. Denn dass das beides kommen wird, dessen ist er sich sicher.

Seine Schlussworte haben es dann wirklich in sich: „Ich möchte, dass wir, der Westen, die bevorstehende Zeit der russischen Wirren nicht dazu nutzen, um dort neue Geschäfte einzufädeln, sondern Russland endgültig und unwiderruflich zusammenbrechen zu lassen.“

Und weiter: „Russland muss seinen vermeintlichen Großmachtstatus einbüßen, es muss die Realität akzeptieren, in der es keine ungebändigte Naturkraft, sondern ein normales Land ist, das seinen Nachbarn nicht die eigenen Überzeugungen und Lösungen aufzwingen kann, ebenso wenig, wie Deutschland das heute tut.“

An dieser Stelle sind wohl keine weiteren Worte notwendig.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SIEBENTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2021, 635 Seiten, 22 Euro

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In Kleists Drama "Penthesilea" geht es um den Konflikt zwischen einem gefühlsintensiven Individuum und der gesellschaftlichen Ordnung, die diesen Gefühlen entgegensteht. Penthesilea, die Königin der Amazonen, erobert im Kampf Männer, um sie zur Zeugung neuer Kriegerinnen mitzunehmen. Nach vollzogenem Zeugungsakt entlässt sie die Männer wieder in die Freiheit. Nur ihrem Geliebten stellt sie nach, was diesen letztlich sein Leben kostet. Kann es sein, dass ich in meinem Leben mehrmals nur haarscharf an vielem aus dieser Tragödie vorbeigeschrappt bin? Und dann ist ja auch noch Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist nur unweit meiner Wohnung freiwillig aus dem Leben geschieden.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt am wunderschönen grünen Rand seiner ansonsten mittlerweile ungeliebten Heimat Berlin. Die vorangegangenen sechs Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019 und 2020.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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