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Späte Dynamik

Donnerstag, 13. Januar 2022 um 17:45

Von Thomas Grüner
Nachdem die Aktienmärkte das vergangene Jahr mit einem massiven Aufschwung beendet hatten, fühlt sich das Jahr 2022 ganz anders an. Der holprige Start hat vielen Anlegern direkt die Stimmung vermiest. Atmen Sie tief durch! Aus unserer Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der globale Bullenmarkt fortsetzt und solide Renditen für das Gesamtjahr 2022 abwirft. Dabei kann es gerade in der ersten Jahreshälfte durchaus etwas ruppiger zugehen.

US-Zwischenwahlen als wichtiger Faktor

Die US-Politik, insbesondere die Zwischenwahlen am 8. November, tragen unserer Ansicht nach wesentlich zur Erklärung des wahrscheinlichen Kursverlaufs der Aktienmärkte im Jahr 2022 bei. Zwischenwahljahre entwickeln ihre Dynamik typischerweise erst im späteren Jahresverlauf, während die erste Jahreshälfte von moderaten Renditen mit größeren Schwankungsbreiten geprägt ist. Im Vorfeld der Wahl wird die Marktstimmung immer wieder durch steigende Unsicherheit im Rahmen aggressiver Wahlkampfrhetorik gedämpft. Erst wenn die Aktienmärkte die hohe Wahrscheinlichkeit einer verstärkten politischen Blockade einpreisen, kann sich die positive Dynamik entfalten. Dieses Prinzip ist natürlich kein Timing-Instrument, aber aus unserer Sicht ein lehrreiches Muster, dessen Berücksichtigung eine gesunde Erwartungshaltung ermöglicht. Erleichternd für die Märkte kommt weiterhin hinzu, dass die Tendenz zur politischen Blockade ein typisches Phänomen bleibt – nicht nur in den USA, sondern in sämtlichen westlichen Industrieländern.

Politik ist nicht alles

Die Marktstimmung könnte im Jahr 2022 aus den verschiedensten Gründen getrübt werden. Gleich zu Beginn des Jahres lieferte die Reaktion der Märkte auf die erwartete Zinserhöhung der Fed einen Vorgeschmack darauf. Wenn Inflation, Omikron (und vielleicht noch weitere Varianten), geopolitische Spannungen und vieles mehr die Schlagzeilen belegen, ist der berühmte „kühle Kopf“ gefragt. Diese Befürchtungen könnten sich zumindest kurzfristig auch bewahrheiten, wenn es aufgrund panischer Reaktionen zu einem Rückschlag an der Börse oder einer ausgeprägten Korrektur kommt.

Aber diese unruhigen Phasen werden vorübergehen. Die Marktteilnehmer werden erkennen, dass die Fed keinen großen Einfluss auf die Wirtschaft hat. Die Inflationsraten werden nicht mehr durch den Basis-Effekt nach oben getrieben wie im Jahr 2021 und die Probleme in den Lieferketten werden sich relativieren, da die Welt immer besser mit COVID zurechtkommen wird. Je mehr Menschen anerkennen, dass das Leben auch trotz neuer COVID-Varianten weitergeht – und je besser die wirtschaftlichen Indikatoren sind – desto mehr werden diese Ängste an Kraft verlieren. In der Summe sind Anleger im Jahr 2022 mit einer Reihe von Unsicherheiten konfrontiert, die sich im Laufe des Jahres abbauen können.

Fazit: Anleger, die langfristiges Wachstum mit aktienmarktähnlichen Renditen anstreben, müssen auch im Börsenjahr 2022 ihre Geduld unter Beweis stellen. Tendenziell ist das zweite Halbjahr dafür prädestiniert, eine stark positive Dynamik zu entfalten. Am Ende geht es allerdings nicht um Timing-Versuche, viel eher geht es darum, investiert zu sein – der Markt wird niemals exakt ankündigen, wann er zu einer Zwischenrallye ansetzt. Das typische Prinzip ist im Jahr 2022 voll gültig, dass die langfristig überlegenen Renditen der Aktienmärkte das Resultat eines geduldigen und rationalen Anlegerverhaltens sind. Denn dass der Weg dorthin zeitweise beschwerlich wird, ist im spätzyklischen Bullenmarkt sehr typisch.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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