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Die Unsicherheit kommt und geht

Donnerstag, 12. November 2020 um 21:00

Von Thomas Grüner
Die Hoffnung auf einen wirksamen COVID-Impfstoff hat in dieser Woche große Teile der weltweiten Börsen beflügelt. So steht die Überzeugung im Vordergrund, dass es eine Welt nach den Corona-Lockdowns gibt, in der sich die globale Wirtschaft neu entfalten kann.

Nachholpotential der Value-Werte?

Vor allem die gebeutelten Value-Titel haben in diesem Zusammenhang aufhorchen lassen und zu einer dynamischen Erholungsbewegung angesetzt. Ist dies der Beginn einer groß angelegten Trendwende, in der die Value-Kategorie endlich wieder dominieren kann? Aus unserer Sicht fehlen dazu die typischen Eigenschaften, die in einer frühen Bullenmarktphase zu einer Value-Outperformance führen können. Die Zins-Spreads verharren auf einem niedrigen Niveau, die Inflation und die zugehörigen Erwartungen signalisieren keinen Umbruch, zudem ist das Wirtschaftswachstum zwar auf einem Erholungspfad, eine hochgradig expansive Dynamik ist jedoch nicht vorherrschend. In erster Linie ist die positive Volatilität somit als Erholungsbewegung zu werten, mit prägnantem Nachholpotential in der Value-Kategorie.

US-Wahl klärt sich auf

Schwindende Unsicherheit ist auch im Zusammenhang mit den US-Wahlen zu beobachten, wenn auch nur in gewissem Sinne. Joe Biden bereitet sich auf seine Amtsübernahme vor, auch wenn Donald Trump noch nicht den Eindruck erweckt, dass er seine Wahlniederlage in irgendeiner Form akzeptieren wird. Das wichtige Signal für die Märkte besteht jedoch darin, dass die politische Pattsituation in den USA nahezu unverändert bleibt und sich die Wirtschaft auf geringes legislatives Risiko einstellen kann. Bis zur endgültigen politischen Klarheit ist es noch ein langer Weg, dieser wird jedoch sein Ende finden. Am 14. Dezember wird das Wahlmännergremium tagen, am 6. Januar wird der Kongress den Wahlsieger verkünden und am 20. Januar 2021 werden der gewählte US-Präsident und sein Vizepräsident vereidigt. Auf Anleger wartet also eine wilde politische Diskussion mit einem festgelegten Ablaufdatum. Entscheidend ist, dass die Märkte diese Klarheit längst vor ihrem tatsächlichen Eintreffen bewertet haben.

Was bringt die Zukunft?

Natürlich ist die Welt im November 2020 nicht frei von unkalkulierbaren Einflussfaktoren. Was bedeutet eine Biden-Regierung für kommende Konjunkturpakete? Ohne die finale Zusammensetzung des Senats zu kennen, ist es reine Spekulation, welche Entscheidungen durch das US-System der Checks und Balances getragen werden und welche nicht. Und trotz aller kontroverser Diskussionen ist es eine Tatsache, dass jede Form von Stimulus großen Teilen der Gesellschaft wirklich helfen würde. Der alles überragende Impuls wird ohnehin darin bestehen, dass sich die Gesellschaft an das Virus anpasst und das normale Leben wieder aufgenommen werden kann. Die Impfstoffnachrichten in dieser Woche haben uns diesem Szenario zumindest einen Schritt nähergebracht. Sobald die Unternehmen mehrheitlich zu ihrer normalen Geschäftstätigkeit zurückkehren können, springt die Weltwirtschaft wieder an – dazu braucht es keine Schützenhilfe vom US-Kongress.

Fazit: Märkte blicken drei bis 30 Monate in die Zukunft. In diesen Zeitraum fällt das Prinzip der schwindenden Unsicherheit: Eine bessere Welt mit oder ohne COVID-19, politischer Stillstand und hohe Chancen auf globales Wachstum. Fokussieren Sie sich ebenfalls auf diesen Zeitraum und lassen Sie sich nicht von den üblichen kurzfristigen Hürden beirren.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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