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Steuerschlupfloch Gold

Donnerstag, 30. Juli 2020 um 15:09

Von Bernd Niquet

Steuern sind für mich immer ein ganz schwieriges Thema bei der Geldanlage, denn einerseits finde ich es richtig, dass die Erträge in diesem Bereich wie alle anderen Einkünfte auch besteuert werden, andererseits will ich mir selbst das jedoch am liebsten ersparen.

Und so habe ich legale Steuervermeidungen eigentlich immer genutzt. Die größte Gelegenheit dazu gab es im Jahr 2008, denn da konnte man Aktien und auch Gold nicht nur zu extremen Discountpreisen kaufen, sondern damit auch die Steuerfreiheit auf ewig festschreiben.

So dachte ich jedenfalls.

Denn die Steuerfreiheit galt zwar für Aktien, Fonds und ETFs, aber nicht für ETCs (Exchange Traded Commodities). Anlagen in Rohstoffen waren davon ausgenommen. Und so saß ich Jahre später auf der großen Gold-ETC-Position und wusste, ich würde sie beim Verkauf versteuern müssen. Sch...

Dann ergab sich jedoch eine neue Chance auf Steuerfreiheit, denn es wurde ein Musterurteil erstritten, dass diejenigen ETCs, bei denen man sich Gold physisch ausliefern lassen kann, von der Steuerpflicht ausgenommen sind. Hier wird beim Verkauf keine Abgeltungssteuer abgezogen.

Doch gilt das auch für mein Papier? Ich besitze das verbriefte Gold von Gold Bullion Securities mit der WKN A0LP78. Da sagt die Bank, sie würde Abgeltungssteuer berechnen, der Emittent allerdings verspricht die Goldeinlösung, allerdings in Münzen. Es ist also ziemlich kompliziert. Und sollte jemand dazu eigene Erfahrungen gemacht haben, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen.

Und um die Kompliziertheit noch zu steigern, soll es jetzt einen Entwurf geben, die Steuerfreiheit für derartige ETCs, die Gold auch ausliefern, abzuschaffen. Das alles ist rechtlich äußerst schwierig und wird sich sicherlich über viele Instanzen hinziehen, so dass es dann eher ein Thema für die Erben wird als für die heutigen Goldbesitzer.

Ich habe jetzt natürlich Morgenluft gewittert und hoffe, mein Papier steuerfrei verkaufen zu können. Denn mittlerweile habe ich ohnehin physisches Gold und hier sind alle Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei.

Auch hier war ich wieder einmal der Dussel vom Dienst, denn das habe ich nicht gewusst. Das habe ich erst erfahren, als ich das Gold schon hatte. Selten war ich mehr überrascht.

Denn das ist eigentlich auch nicht okay so. Natürlich habe ich den großen Aufschrei mitbekommen über die möglichen neuen Steuerpläne des Finanzministers, der sich durch alle Boards hindurchzieht. Ich muss zugeben, der Zeitpunkt dafür ist auch wirklich ziemlich dämlich gewählt, doch in der Sache wäre es richtig, alle Kursgewinne aller Gold- und Rohstoffpapiere zu besteuern, egal, ob Auslieferung oder nicht.

Ich gehe sogar noch weiter und sage, die Steuerfreiheit nach einem Jahr auf physisches Gold ist ein Unding. Das dürfte es eigentlich nicht geben. Ein rationales Steuersystem verlangt, alle Einkunftsarten gleich zu besteuern. Denn mit welchem Recht sind Gewinne auf ein barbarisch aus der Erde geätztes Metall steuerfrei, die Gewinn bei Zukunftsunternehmen hingegen nicht? Da gibt es keinen vernünftigen Grund für.

Sinnvoll wäre es aus meiner Sicht daher, alle Steuerprivilegien abzuschaffen, dafür jedoch für die angesparte Altersvorsorge große Freibeträge bei allen Kapitalanlagen zu gewähren, egal welcher Art.

Und das sage ich, obwohl ich davon nicht profitieren würde, weil ich nicht mehr ansparen muss, sondern sogar meine Gewinne bei physischem Gold beim Verkauf dann zukünftig ebenfalls versteuern müsste. Denn die Vernunft, so denke ich, sollte über allem stehen.

Doch mit der Vernunft ist das natürlich so eine Sache in unserem Land. Von daher muss ich mir wohl keine Sorgen machen, dass es hier tatsächlich zu einer vernünftigen Lösung kommt.

Eher werden die Dschungelkämpfe weitergehen. Wie in jeder anderen Bananenrepublik auch.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. FÜNFTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2019, 624 Seiten, 22 Euro

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Bernd Niquet und die Flüchtlingskrise. Die Geschichte von Bernd Niquet ist mittlerweile in den Jahren 2015 und 2016 angekommen. Das ist die Zeit des massenhaften und ungehinderten Zustroms von Flüchtlingen nach Deutschland. Die Hauptfigur der Ereignisse muss jetzt nicht mehr wie vorher nur die Lasten seines eigenen Lebens und seiner familiären Verhältnisse schultern, sondern sieht sich darüber hinaus gezwungen, aus sich selbst herauszutreten und sich ganz grundsätzliche weiterführende Gedanken zu machen.

»Immer, wenn die große Mittelmacht auf dem europäischen Kontinent verrückt spielt, resultieren daraus immense Verwerfungen. Wird der wirtschaftlichen Nord-Süd-Teilung zur Eurorettung jetzt auch noch eine kulturelle Ost-West-Spaltung zur Flüchtlingsrettung hinzugefügt? Denn das hieße ja nichts anderes als die bildliche Kreuzigung unseres Kontinents.«

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt trotz seines Umzugs im vergangenen Jahr weiterhin im selben ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die ersten vier Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen, und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2018.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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