Von Bernd Niquet
Vom ersten Moment an trägt die Finanzkrise, in der wir uns derzeit befinden, seltsame Züge. Das begann schon Anfang vergangenen Jahres. Denn im Prinzip wusste schon damals jeder, der das wollte, was eigentlich los war. Dass es eine riesige Blase an den Immobilienmärkte gab und dass viele Kredite an Kreditnehmer schlechter Bonität vergeben wurden – sowie dass die Hauskredite anschließend in Wertpapierform emittiert und dabei so oft umgerubelt wurden, bis nicht einmal Spezialisten mehr wissen konnten, wer nun welches Risiko trägt.
Als ich daraufhin im Juni vergangenen Jahres meine Aktien verkauft hatte, aber nichts passierte, kam ich mir folglich vor wie im falschen Film. Alles war klar zu sehen, doch niemand schaute hin.
Dann aber hat es doch mächtig gekracht – und heute befinden wir uns beinahe in der umgekehrten Situation. Einige Marktteilnehmer behaupten gar, die Banken in Europa und in Übersee würden gerade gefechtsunfähig und sturmreif geschossen, um anschließend Großinvestoren zu Niedrigstpreisen den Einstieg zu ermöglichen. Die ganze Finanzkrise also als ein bewusstes Ausbreiten von Worst-case-Szenarien, um die Hasenfüße zum Aufgeben zu bewegen und den Hartgesottenen Investoren einen Einstieg zu ermöglichen.
Passend dazu gesellt sich eine nahezu groteske Inflationsangst, die sich einerseits aus dem Verkennen der Tatsache speist, dass die Weitergabe gestiegener Weltmarktpreise niemals einen Inflationsprozess darstellt, und andererseits dem naiven Kinderglauben aufsitzt, dass ein mehr an Geld auch immer an Mehr an Käufen bedingt.
In diesem Sinne kann man also sagen: Wenn das wirklich der Fall ist, was eben geschildert wurde, dann gelingt es in trefflicher Weise. Wie schon in der vergangenen Woche geschrieben: Die Menschen sind eben so gestrickt, dass sie jede Polonaise freiwillig mitmachen, selbst dann, wenn sie damit gegen die eigenen Interessen schlichtweg benutzt werden.
Bleibt einzig eine Frage: Warum steigt dann nur das Gold nicht? Die Antwort darauf ist allerdings sehr einfach, was jedoch nicht zu einer Lösung führt, sondern nur die Frage noch weiter verlängert: Die Notenbanken stellen sich gegen das Gold und verkaufen ihre Reserven, als ob es sich dabei um Giftmüll handeln würde.
Damit kann man zwar kurzfristig die Goldhausse abwürgen, doch glaubt man tatsächlich, dies auch auf Dauer zu schaffen? Und was ist das eigentlich für eine Politik, wenn die Banken der Banken das einzige Aktivum, was kontinuierlich im Wert steigt, ständig verkaufen, den im ständigen Wertverfall befindlichen Rest ihres Portfolios jedoch halten? Natürlich sind Notenbanken in der ersten Linie der Geldpolitik und nicht der Erzielung betriebswirtschaftlicher Erträge verpflichtet. Doch was ist das für eine Strategie?
Das alles mutet fast an, als wolle man sich von etwas trennen, was anschließend per Dekret als wertlos erklärt wird. Ich kann das zwar selbst nicht glauben, doch diese Annahme ist die einzige, welche die gegenwärtige Notenbankpolitiken, die ansonsten so weitsichtig und vernünftig sind, wenigstens annähernd erklärlich macht. Was ist da nur im Busche? Bahn sich da etwa etwas an?
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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