Von Bernd Niquet
Müssen Sie auch stets schmunzeln, wenn Sie die Politik-Berichterstattung im Fernsehen sehen? Oder wenn Sie über die Börse in der Zeitung lesen? Müssen Sie schmunzeln, ärgern Sie sich oder bekommen Sie von all dem vielleicht gar nichts mit?
Es ist ein Abenteuer, das alles zu beobachten. Auf der einen Seite hört man das andauernde Gestöhne, die Politik müsse doch langfristig ausgerichtet sein, an hehren Zielen und nicht an der aktuellen Publikumsgunst ausgerichtet sein. Und dann inszeniert man den Wahlkampf wie einen Boxkampf, übertragen zeitgleich von ARD, ZDF, DDR 1 und DDR 2. Well done.
Und fast noch besser ist das ewige Gestöhne über die unverantwortlichen Banker, die unzulässigerweise Kredite herausgegeben und Giftmüll produziert haben, und dass das alles nie wieder passieren darf. Doch blättert man dann nur eine Seite weiter, findet man plötzlich die heißesten Tipps, wie man mit riskanten Finanzderivate eine Wette auf steigende Teepreise oder fallende Staatsbonitäten abschließen kann. Auch hier: well done.
Natürlich kann man dagegen gar nichts tun. Das sind die vorgezeichneten Wege vollkommen liberalisierter Systeme. Und das wollen wir doch alle, eine möglichst vollkommene Freiheit. So lange braten wir nun schon das Schnitzel, und es ist immer noch nicht weich.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ DIE BUCH-NEUERSCHEINUNG 2009 +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sein gesamtes bisheriges Leben in vollkommener Isolation verbracht hat. Doch plötzlich tritt er heraus und ist geblendet von einer Wirklichkeit, deren Existenz er niemals für möglich gehalten hat. Nur langsam und sehr mühsam ist er in der Lage, erste Schritte zu unternehmen. Dann bilden sich ein paar Vorlieben heraus und in ihm wächst die Begeisterung, unbekannten Dingen nachzuspüren und neue Orte aufzusuchen. Sein Vorleben spielt jedoch auch in der neuen Welt eine dominierende Rolle. Und erst die Musik ist es, die das Eis der vergangenen Jahrzehnte ein wenig zum Tauen bringt.
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