Von Bernd Niquet
Die deutsche Börse hat binnen weniger Monate die stärkste Aufwärtsbewegung seit den 30er Jahren. Doch wenige Privatanleger scheinen dabei zu sein. Die Papiere befinden sich in den festen Händen, die sie auch bei dem vergangenen Kursrutsch nicht herausgeworfen haben. (Und die meisten Leser, mit denen ich kommuniziert habe, wollten den Dax bei 3.000 Punkten kaufen.)
Dagegen ist europaweit ein heftiges Lottofieber ausgebrochen. In Italien stand ein Jackpot von 140 Millionen zur Ausspielung, und es heißt, viele Deutsche (Kleinanleger!) wären in das Land gefahren, um ihre Tippscheine dort abzugeben.
Bei der Aktienanlage liegt die Gewinnchance a priori bei 50 Prozent. Betrachtet man längere Zeiträume, kann man gutes Gewissens von einer Gewinnchance von 100 Prozent sprechen, den Einsatz deutlich zu vermehren.
Beim Lotto hingegen liegen die Chancen auf einen Hauptgewinn bei 1 zu 14 Millionen – und das gilt nur für die deutsche Ausspielung. Bei der italienischen Ziehung jedoch vermindert sich durch die Tatsache, dass nicht 6 aus 49 Zahlen gezogen werden, sondern 6 aus 90, die Gewinnwahrscheinlichkeit auf 1 zu 623 Millionen.
Und da kann der Deutsche Kleinanleger natürlich nicht an sich halten. Da muss er hin. Und Recht hat er! Denn er verhält sich systemstabilisierend. Wenn tatsächlich jeder reich werden würde, dann würde der Reichtum an sich ja nichts mehr bedeuten.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ DIE BUCH-NEUERSCHEINUNG 2009 +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sein gesamtes bisheriges Leben in vollkommener Isolation verbracht hat. Doch plötzlich tritt er heraus und ist geblendet von einer Wirklichkeit, deren Existenz er niemals für möglich gehalten hat. Nur langsam und sehr mühsam ist er in der Lage, erste Schritte zu unternehmen. Dann bilden sich ein paar Vorlieben heraus und in ihm wächst die Begeisterung, unbekannten Dingen nachzuspüren und neue Orte aufzusuchen. Sein Vorleben spielt jedoch auch in der neuen Welt eine dominierende Rolle. Und erst die Musik ist es, die das Eis der vergangenen Jahrzehnte ein wenig zum Tauen bringt.
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