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DWS Deutschland unter der Lupe

Mittwoch, 17. Juni 2009 um 08:34

(Morningstar) Im Gegensatz zum DWS Investa können im DWS Deutschland Nebenwerte bis zu 50 Prozent hochgefahren werden. Fondsmanager Tim Albrecht nutzt diese Freiheit auch. In seinen ersten zwei Jahren rangierten Small und Mid Caps zwischen 25 und 40 Prozent. Von Mitte 2004 bis Ende 2007 waren Werte aus der zweiten Reihe mit 20 Prozent deutlich unterrepräsentiert. Seit 2008 gewinnen diese Werte wieder an Bedeutung und hatten zuletzt einen Anteil von 50 Prozent am Portfolio. 2007 fuhr der Fondsmanager gut damit, denn deutsche Nebenwerte blieben weit hinter den Standardwerten zurück. Aber auch die Untergewichtung von Finanzwerten sorgte sowohl 2007 als auch im abgelaufenen Kalenderjahr für ein besseres Abschneiden verglichen mit Kategorie und Benchmark. Die frühzeitige Untergewichtung des Finanzsektors ist auf die DWS Hausmeinung zurückzuführen, die für Top-Down Ideen zuständig ist. Der Fondsmanager spielt demzufolge Makro-Calls über die Sektorallokation. Industriegüterkonzerne wie BASF, Siemens oder ElringKlinger waren im Portfolio von Dezember 2008 deutlich übergewichtet. Die Aktien notierten erheblich unter ihrem Buchwert, was nur durch eine tiefe und lange Rezession gerechtfertigt schien.

Für Albrecht sind fundamentale Aspekte für den Kauf oder Verkauf mindestens ebenso entscheidend. Von Ende 2006 bis Mitte 2008 hielt er sowohl die VW-Vorzugs- als auch die Stammaktien. Noch vor dem fulminanten Kursanstieg der Stammaktien verkauft Albrecht diese, da der Wert auf fundamentaler Basis nicht mehr gerechtfertigt war und setzte auf die Vorzugsaktien. Die VW-Vorzüge halbierten sich im Oktober 2008, so dass der Fondsmanager diese Position ebenfalls reduzierte. Das VW-Investment sorgte im September zwar für eine deutliche Underperformance gegenüber Kategorie und Benchmark, war aber gerechtfertigt. Hingegen verkaufte der Fondsmanager die Commerzbank und HypoReal Estate im ersten Halbjahr 2008, also noch vor dem großen Kursrutsch. Zur Fundamentalanalyse gehört auch die Beurteilung des Managements. Im Frühjahr 2004 hatte der Fondsmanager eine Position in Gildemeister aufgebaut und wurde mit einer Kapitalerhöhung einige Wochen später kalt erwischt. Um den entstandenen Verlust einigermaßen zu begrenzen, musste Albrecht in den kommenden Monaten mehrfach Anteile hinzukaufen, um das Paket im Herbst 2004 komplett abstoßen zu können. Seitdem war Gildemeister unter diesem Management für den Fondsmanager ein Tabu.

Insgesamt fährt Albrecht ein konzentriertes Portfolio, auch wenn er die Anzahl und den Anteil der Top 10 Holdings dem Nebenwerteanteil anpasst. Wenn Blue Chips im Fokus stehen, ist der Fonds konzentrierter. Sobald Small und Mid Caps eine größere Rolle spielen, verhält es sich umgekehrt.

Der DWS Deutschland besticht durch den Fondsmanager, der seine Unternehmen im Griff hat. Der fundamental getriebene Prozess in Kombination mit Sektorwetten hat gezeigt, dass er in verschieden Markphasen die Nase vorn hat. Die Portfolio- Konstruktion rundet das All Cap Mandat zu einer guten Wahl für deutsche Aktien ab. Sollten die Ergebnisse auch zukünftig das Niveau halten, ist der Fonds ein Kandidat für ein Exzellent Rating. (Simon Nöth)

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

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