(Morningstar) Nehmen wir mal an, Sie hätten die Wahl. Welche Chancen würden Sie bevorzugen, um bei einer interessanten Anlage Geld zu verlieren? 1:4 oder 1:15.000? Die Antwort erscheint einfach. 1:15.000. Die Wahrscheinlichkeit, mit dieser Anlage Geld zu verlieren, erscheint uns verschwindend gering. Nun, es ist so eine Sache mit Wahrscheinlichkeiten in Zeiten, wo alles möglich erscheint. Aber lösen wir das Rätsel auf.
Unsere US-Kollegen haben nachgerechnet und folgendes ermittelt: 2.886 US-Aktien von insgesamt 10.691 Aktien haben im Jahr 2008 mehr als 75 Prozent ihres Wertes verloren. Jedoch nur einer (!) von 15.272 US-Aktienfonds hat im selben Jahr 75 Prozent seines Wertes verloren. Somit hatten US-Investoren ein deutlich größeres Risiko, Geld beim Engagement in Einzelaktien zu verlieren, nämlich 1:4. Die Anlage in US-Aktienfonds hat jedoch die Vorzüge eines Fonds im Verhältnis von 1:15.000 erkennbar gemacht. Professionelles Management und Diversifizierung sind die wesentlichen Erfolgskriterien und ein Kaufargument für Aktienfonds.
Jetzt können Sie sagen, interessante Statistik. Der Blick auf Ihr Aktienfondsdepot verrät jedoch, dass ein deutliches Minus zu verzeichnen ist und somit ist dieses Zahlenrätsel ein schwacher Trost. Man blickt neidisch auf Festgeldanlagen, Anleihen und Rentenfonds. Immerhin ist ein Plus zu verzeichnen. Sollten Sie Ihre Geldanlage diversifiziert haben, wie es Profis empfehlen, dann finden sich diese Anlagen in Ihrem Depot neben den Aktienfonds wieder. Sie können aufatmen. Aber halt – bitte nicht der Versuchung erlegen, alles in die so sicher erscheinenden und zuletzt lukrativen Staatsanleihen umschichten. Anleger agieren meist prozyklisch. Sind die besten Zeiten für Anleihen nun schon Vergangenheit?
2008 war ein gutes Jahr für Staatsanleihen. Mit einem Euro-Staatsanleihen-Fonds konnte man im Schnitt 8 Prozent verdienen, bei US-Staatsanleihen-Fonds waren es sogar 9 Prozent. Anleger sollten aber nicht erwarten, dass es in den nächsten 12 bis 18 Monaten so weitergeht. Die Zinsen befinden sich derzeit schon auf Tiefstständen, die Renditen werden durch die hohe Nachfrage gedrückt. Wer ein höheres Renditepotential sucht und dabei nicht in Aktien investieren will, kann sein Geld einem guten Manager für Unternehmensanleihen anvertrauen. Anleger sollten hier aber einen großen Risikoappetit mitbringen. 2008 verloren die Fonds der Morningstar-Kategorie Unternehmensanleihen Euro im Schnitt 8 Prozent.
Sollten wir Aktienfonds nun wieder eine Chance geben? Ich meine ja. Bleiben Sie dem Prinzip der Diversifizierung treu, auch wenn Sie jetzt die negativen Seiten bei den Aktien erleben durften. Ich schließe mich dem Nobelpreisträgers Harry Markowitz, dem „Vater der modernen Portfoliotheorie", an, der kürzlich auf die Frage, ob seine preisgekrönte Diversifizierungsmethodik auch in diesen Zeiten funktioniert, sagte: „Ja, wir haben Geld verloren, aber wir haben es überlebt." (Anne Connelly)
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