Von Bernd Niquet
Bislang haben alle Maßnahmen zur Überwindung der Bankenkrise nicht gegriffen. Alles Positive, was wir derzeit hören, bezieht sich darauf, dass die Krise vielleicht doch nicht so schlimm wird, wie gemeinhin geglaubt. Aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Maßnahmen zur Überwindung der Krise greifen. Auch der Plan einer „Bad Bank“ scheint hier nicht viel weiter zu führen. Ich sehe den Grund dafür in den Funktionsbedingungen unseres Finanzsystems und der Unternehmensfinanzierung. So, wie wir es angehen, funktioniert es nur schwerlich. Wir sollten daher ruhig Anderes und Neues zulassen. Nehmen wir doch den „Niquet-Plan“ zur Überwindung der Krise.
Ganz kurz zur Vorgeschichte: Im Jahr 2003 hat die US-Notenbank die Leitzinsen auf 1 Prozent gesenkt, um die Wirtschaft zu stimulieren. Was als durchaus angebrachte Maßnahme zu sehen ist, entpuppte sich jedoch als fatal. Denn diejenigen, die wirklich die Kredite gebraucht hätten, besaßen selbst keinen Zugang zur Notenbank. Und für die Banken war es in dieser Situation weit lukrativer, Assets auf den Vermögensmärkten zu kaufen, als Kredite zu vergeben. Denn wenn ich nur 1 Prozent Zinsen bezahle, sind selbst Bundesschatzbriefe eine treffliche Investitionen. Von Hypothekenpapieren und Rohstoffen ganz abgesehen.
Diese Tatsache muss man im Auge behalten, um zu verstehen, warum es in im Rahmen dieses Systems mit den bisherigen Maßnahmen so schwer ist, der Krise entgegen zu steuern. Denn es herrscht eine generelle Zweiteilung des Finanzierungssystems: Diejenigen, die „an der Front stehen“ und die wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen haben, sind bei ihrer Finanzierung auf die Geschäftsbanken angewiesen. Die Geschäftsbanken haben jedoch genug Risiken in ihren Büchern als dass sie nun, angesichts der generellen Unsicherheit aller Vermögens- und Firmenwerte, jetzt noch weitere Risiken eingehen könnten.
Die Banken zu refinanzieren ist damit also nichts anders als die Auffüllung eines in sich geschlossenen Kreislaufes. Dorthin, wo das Geld hinkommen soll, kommt es damit aber nicht. Das Modell der „Bad Bank“ führt ebenfalls nicht dazu, auch nur einem möglichen Kreditnehmer neuen Kredit zu verschaffen. Ich denke daher, das aufgrund dieser Systembedingtheit zwei Entscheidungen getroffen werden könnten, die vielleicht etwas revolutionär klingen, die Krise aber sofort beseitigen könnten:
(1) Zwingt die Geschäftsbanken, sich bei der Zentralbank zum annähernden Nullzins zu verschulden und damit Aktien und Industrieanleihen zu kaufen!!! Damit wird die Baisse überwunden, das Vertrauen in die Vermögenswerte der Kreditnehmer wieder hergestellt, und die Banken bilden über riesige Gewinne wieder genügend Kapital. Damit ist alles erreicht, die Rekapitulierung der Banken und (!) die Wiederherstellung der Kreditfähigkeit der Kreditnehmer.
(2) Gebt den Unternehmen bis dahin den Zugang zur Zentralbank frei!!! Die Unternehmensfinanzierung muss in der Krise den Banken, die mit sich selbst genug zu tun haben, entzogen werden. Natürlich wird dadurch das Bonitätsrisiko der Unternehmenskredite temporär auf die Zentralbank übertragen. Doch wirkt nicht eine Banknote viel seriöser, hinter der ein Kredit an Siemens, Daimler oder BASF steht, als eine die auf Hypothekenpapieren einer „Bad Bank“ beruhen?
In diesem Sinne also: nun mal los! Viel Zeit haben wir nicht mehr zu verlieren.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++ DAS AKTUELLSTE BUCH ZUR DERZEITIGEN FINANZKRISE +++
Bernd Niquet, Der MADchester-Kapitalismus. Das Buch zur Krise, München 2008, 143 Seiten. 12 Euro, ISBN 978-3-937200-49-1.
Leseprobe: „Bis vor Kurzem ist ja noch immer alles gut gegangen. Alle Krisen haben wir hervorragend überstanden. Doch während die Arbeiten zu diesem Buch abgeschlossen werden, hat gerade die letzte deutsche Großbank ihre Auszahlungen gestoppt. Was nun kommt, ist völlig offen. Wir betreten historisches Neuland. Die Situation ist besorgniserregend. Die Regierungen und Notenbanken weltweit tagen fieberhaft. Immer wieder ist von so einer Situation geredet worden, doch niemand hat geglaubt, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Entsprechend unvorbereitet ist man."
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