(Morningstar) Aus unserer Sicht bietet die Neuaufstellung des Metzler Growth-Teams für den Fonds eine Chance. Auch wenn der Fonds unter der früheren Managerin Carmen Weber nicht so stark unter Druck geriet wie sein internationales Pendant Metzler Wachstum International, trauen wir ihm unter der Führung von Heiko Veit mehr zu. Seit dem Managementwechsel im Oktober 2006 konnte der Fonds, den Veit zusammen mit Co-Manager Philipp Struck verantwortet, seine Vergleichskategorie schlagen und zeigte sich in der Baisse defensiv. Eine Zweijahreshistorie ist aber noch zu kurz für eine konkretere Einschätzung. Wir warten ab, wie sich der Ansatz unter Heiko Veit, der sich als guter Nebenwertemanager im Technologiesektor erwiesen hat, bei europäischen großkapitalisierten Aktien bewährt.
Der stark quantitativlastige Investmentansatz ist gut strukturiert. Ein mehrstufiger Screeningprozess sortiert die europäischen Aktien nach Rentabilität, Bewertung und Momentum. In der qualitativen Auswertung stehen die Unternehmensstrategie, die Marktpositionierung und das Management im Vordergrund. Neben fundamentalen Bewertungen spielen auch makroökonomische Aspekte und Sektortrends eine Rolle.
Mit einer Bandbreite zwischen 60 bis 90 Titeln ist das Portfolio breit aufgestellt. Eine Einzelposition kann nicht mit mehr als 5 Prozent im Portfolio gewichtet werden. Bei der Sektorgewichtung können die Manager bis zu 10 Prozent vom Index abweichen. Die Märkte veranlassen Veit und Struck derzeit zu einer Schwerpunktsetzung bei nichtzyklischen Konsumwerten und Gesundheitswerten. Technologiewerte wurden seit Juni 2008 reduziert und Telekommunikationsunternehmen dafür aufgebaut. Wegen ihres starken Wachstums in Lateinamerika gehört die spanische Telefonica zu Veits Favoriten.
Im Portfolio befinden sich auch Unternehmen, die nicht zu den typischen Wachstumswerten zählen. Unter Zigarettenherstellern versteht man eigentlich klassische Blend-Aktien. Imperial Tobacco (West, Davidoff) war bis Anfang 2007 im Blend-Bereich der Morningstar Aktien Style Box angesiedelt, British American Tobacco driftete Anfang 2008 in die Growth-Zone. Anleger verstecken sich in volatilen Märkten gerne hinter defensiven Aktien, was die Kurse nach oben treibt. Der relativ höhere Preis einer Aktie wirkt sich auf die Bewertungen aus, von denen die Stilklassifizierung abhängt. Mit einem KGV von 21 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 12 liegt Imperial Tobacco derzeit im Growth-Bereich. Die Value-Unternehmen BP und Total hat Veit ins Portfolio gekauft, weil er sich Anfang 2008 an den Trend des Energie- und Rohstoffsektors hängen wollte. Kein einziger der großen europäischen Ölkonzerne kommt aus der Growth-Ecke.
Mit einer TER von 1,91 Prozent, die eine Performance Fee von 25 Prozent der Outperformance gegenüber dem MSCI European Growth einschließt, ist der Fonds überdurchschnittlich teuer.
Strategie
Veit und Struck suchen nach Unternehmen mit zweistelligen Wachstumsraten. Unter Wachstumswerten verstehen sie Unternehmen mit einem strukturellen Wachstumstrend, hohem Ertragswachstum, steigender Kapitalrentabilität und hoher Innenfinanzierungskraft, was hohe Cashflows impliziert. Ein quantitativer Filter hat einen starken Einfluss auf die Aktienauswahl. Das System analysiert die Unternehmen auf operatives Wachstum (Gewinn pro Aktie, Cashflow, Umsatzwachstum), Rentabilität (Return on Equity) und Bilanzqualität. Auf qualitativer Seite zählt ein stabiles Geschäftsmodell (Strategie, Innovationskraft), die Eigentümerstruktur und die Managementqualität. Anlageentscheidungen werden aber auch aus einem Top-Down-Blickwinkel gefällt. Als weiteren wichtigen Faktor sehen die Manager das Timing eines Aktienkaufs, da sie auf keinen Fall zu früh in einen Wert einsteigen wollen. Wenn sie sich nicht sicher sind, kaufen sie nur eine Teilposition (Gewichtung unter 1,5 Prozent). Das aus 60 bis 90 Einzeltitel bestehende Portfolio soll eine diversifizierte Mischung aus großen, stabilen Unternehmen und kleineren, spekulativen Titeln ergeben.
Management
Heiko Veit, der von der Baden Württembergischen Bank zu Metzler kam, hat im Oktober 2006 die Verantwortung für den Metzler European Growth von Carmen Weber übernommen. Einen guten Track Record kann er mit dem BWI Novamax vorweisen, einem Technologiefonds mit Schwerpunkt auf Nebenwerten. Mit dem Blue Chip Fonds BWI Europrofil konnte der Manager Marktrenditen erzielen. Bei Metzler leitet er das vierköpfige Growth-Team. Mitverantwortlich für den Metzler European Growth ist Co-Manager Philipp Struck, der 2005 als Universitätsabsolvent zu Metzler kam. Das Metzler Equity Team besteht aus insgesamt 26 Mitgliedern und gliedert sich in vier Gruppen: Investment Policy Comitee, globales Makroteam, Growth-Team und Equity-Strategie-Team (alle Portfoliomanager). Jeder Manager ist gleichzeitig Sektoranalyst. Veits Spezialgebiet sind Technologiewerte, während Phillip Struck Healthcare-Aktien abdeckt. Die Empfehlungen werden in einem Modellportfolio abgelegt. Heiko Veit investiert einen Teil seines Einkommens in die von ihm gemanagten Fonds. (Alexander Ehmann)
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