Von Bernd Niquet
Die vergangene Woche war durch heftige Kursrückgänge an den Aktienbörsen gekennzeichnet. Und erneut machen Untergangsvisionen die Runde. Selbst viele derjenigen, die die ganze Zeit über auf der Seite der Zuversicht standen, scheinen mittlerweile kapituliert zu haben.
Für mich besitzt die gegenwärtige Entwicklung zwei Seiten: Einerseits kosten die Kursrückgänge Performance, doch andererseits ergeben sich dadurch enorme Chancen für die Zukunft. Und dies ganz besonders vor dem Hintergrund der steuerlichen Änderungen.
Das alles gilt freilich nur, wenn eine Katastrophe und ein Zusammenbruch verhindert werden. Doch daran glaube ich fest, und die Lektionen der letzten Zeit bestärken mich darin. Hinzu kommt, dass ich sowohl das Szenario der Inflation als auch das der Stagnation für falsch halte. Und das der Stagflation daher erst recht. Der Ölpreis hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Dafür ist der Preisschock sehr gering geblieben. Und bildet sich der Ölpreis wieder zurück, erwächst daraus ein enormer Zündstoff die Weltwirtschaft bei gleichzeitig rückläufigen Preiszuwächsen.
Man sollte die gegenwärtige Situation daher eher als große Chance begreifen. Ich habe vor kurzem schon einmal ein Beispiel zur neuen Abgeltungssteuer gebracht, welches zwar etwas konstruiert wirkt, den Kern der Sache jedoch sehr deutlich klar macht:
Nehmen wir eine Aktien, die jetzt bei 100 steht. Kaufe ich sie in diesem Jahr und sie verdoppelt sich binnen der nächsten Jahre auf 200, dann streiche ich einen steuerfreien Gewinn in Höhe von 100 ein. Kaufe ich sie jedoch erst im nächsten Jahr, müsste sie im Kurs schon auf 233 steigen, um einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 100 zu produzieren. Sie müsste also 33 Prozent mehr zulegen. (233 minus 100 gleich 133, darauf 25 Prozent Steuer sind 33, und es verbleiben 100).
Oder anders herum gerechnet. Wenn ich zögere, jetzt und in diesem Jahr Aktien zu kaufen, weil ich weitere Kursverluste erwarte, sieht die Rechnung so aus: Die Aktien müsste von gegenwärtig 100 auf 67 fallen, um anschließend bei einem Wiederanstieg auf 200 die 100 Gewinneinheiten zu produzieren. (233 minus 66 gleich 133, darauf 25 Prozent Steuer sind 33, und es verbleiben 100. (Der prozentuale Gewinn auf den Kapitaleinsatz ist dann allerdings größer, ansonsten gilt das Obige).
Glaubt also ernsthaft jemand an Kursverluste von noch einem Drittel? Glaubt jemand an einen Dax von 4.600 Punkten? Wer so denkt, sollte wirklich besser warten. Wer jedoch nicht so denkt, kann langsam anfangen, zuzufassen bei den Aktien.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++ BRANDAKTUELL +++ DAS NEUE BUCH IST DA +++
Bernd Niquet, Der MADchester-Kapitalismus. Das Buch zur Krise. 143 Seiten, Volk Verlag, München 2008, 12 Euro, ISBN 978-3-937200-49-1. Jetzt hier bestellen.









