(Morningstar) Fragen sie einen Fondsmanager und er wird ihnen sagen, dass 2008 kein normales Jahr war. Dies insbesondere wenn es darum geht, die schlechte Wertentwicklung eines Fonds zu erklären. Das soll auch eine Entschuldigung sein: „Wie können Sie unter solch extremen Bedingung eine gute Rendite erwarten?“Oder: „Unser Prozess funktioniert in einem solchen Umfeld nicht.“
Nun gab es 2008 tatsächlich einige noch nie dagewesene Ereignisse, zumal auch die Reaktionen von staatlicher Seite, die nicht immer gleich ausfielen, für einige unerwartete Wendungen sorgten. Anleger, die auf normalere Zeiten warten, sollten jedoch nicht den Atem anhalten. Dies wird weder in diesem Jahr noch irgendwann in der Zukunft passieren.
So wie es kein goldenes Zeitalter gab, in dem alle Politiker ehrlich und alle Kinder wohlerzogen waren, so wird man sich auch schwer tun, eine Zeit mit einem normalen Marktumfeld zu finden. Mit normal meinen wir hier, was von den meisten Leuten wohl darunter verstanden wird: eine gewisse Routine im Marktgeschehen, ohne außergewöhnliche oder gar katastrophale Ereignisse, die alles auf den Kopf stellen. Blickt man aber in die (jüngere) Vergangenheit, wird man sehen, dass die meisten Zeiträume nicht einmal diese vagen Standards erfüllen konnten.
Die meisten würden zugeben, dass die ganze zweite Hälfte der 90er Jahre, die damit endete, dass gerade einmal gegründete Unternehmen völlig überhöhte Aktienkurse hatten, nicht normal war. Auch die darauf folgenden Jahre nicht. 2000 platzte die Internetblase, 2001 folgten die Anschläge in New York, welche zusammen mit den Enron- undTyco-Skandalen aus 2001 und 2002 alles andere als normale Jahre machten.
Zweifellos werden manche die daran anschließenden Jahre 2003-2006 normal nennen. Wirklich? Angesichts der Verdoppelung und Verdreifachung der Rohstoffpreise und Aktienkurse von Rohstoffunternehmen? Angesichts des spektakulären Kursanstiegs an den Schwellenmärkten? Also könnte man argumentieren, dass seit 1995 kein Jahr ein normales war.
Dies gilt auch für die weiter zurückliegende Vergangenheit. Nehmen wir an, ein normales Jahr wäre eines, in dem der amerikanische Aktienmarkt um weniger als 10 Prozent steigt oder fällt. Das war in den vergangenen 30 Jahren in nur zehn davon der Fall. Eine Situation, die lediglich in einem Drittel der Fälle eintritt, kann nicht als die Norm bezeichnet werden.
Blickt man noch weiter zurück, ist das Bild ähnlich. Es ist schwer, zwischen der Großen Depression und dem zweiten Weltkrieg ein Jahr zu finden, dass als normal gelten würde. Der Boom, der im Crash von 1929 endete, war genauso wenig normal wie der Kurshöhenflug Ende der 90er. Natürlich gab es immer mal wieder ruhigere Perioden. Aber wirtschaftliche oder politische Schocks und starke Marktschwankungen können eigentlich nicht als außergewöhnlich bezeichnet werden. Wir können nicht einfach nur die ruhigeren Zeiten als normal bezeichnen oder die Zeiten mit positiven Kursverläufen.
Was tun?
Wenn Normalität selten ist, ist Diversifizierung umso wichtiger. Allerdings brachte Diversifizierung 2008 nicht so viel wie erwartet. Dies zeigte sich sowohl in geographischer Hinsicht als auch in vielen Rentenkategorien. Selbst einst als langweilig geltende Geldmarktfonds hatten ihre Probleme.
Andererseits schlossen Staatsanleihen im positiven Territorium und sorgten damit sehr wohl für Diversifizierung. Anleihen hielten sich generell besser als Aktien. Da nun mal niemand weiß, was auf uns zukommt, ist es immer sinnvoll, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Und sich nicht zu sehr verunsichern zu lassen, wenn es mal drunter und drüber geht. Eine Anlagestrategie, die darauf wartet, dass wieder Normalität einkehrt, kann aber nicht die richtige Antwort sein. Das lehrt uns die Geschichte.
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