(Morningstar) Langfristiges Denken lohnt sich. Diversifizierung schützt den Anleger vor größeren Kapitalverlusten. Das Jahr 2008 brachte den Glauben an diese grundlegenden Anlageweisheiten gründlich ins Wanken. Die vergangenen zehn Jahre waren angesichts der Verluste im laufenden Jahr für viele Aktienkäufer alles andere als profitabel. Ein Blick auf den MSCI World zeigt: Mit Blue-Chip-Aktien konnten Sparer auf Sicht von zehn Jahren letztendlich kaum etwas verdienen. Im günstigeren Fall traten sie auf der Stelle (was aber durch die Inflation trotzdem einen Realverlust bedeutet), viele schrieben auch rote Zahlen. Auch bei anderen Vermögenswerten blieben die Renditen überschaubar. Niedrige Zinsen begrenzten die Erträge am Anleihen- und Geldmarkt.
Viel versprach man sich von so genannten alternativen Investments, angefangen von Hedgefonds über Private Equity bis zu Rohstoffen. Von marktunabhängigen Renditen und hohen Diversifizierungspotential war die Rede. Im laufenden Jahr boten letztendlich nur Staatsanleihen einen sicheren Hafen in stürmischen Zeiten. (Was zumindest für den Diversifizierungseffekt von ganz gewöhnlichen Anleihen spricht.)
Heißt das nun, Anleger sollten ihr Geld unter der Matratze verstecken? Oder auf bessere Zeiten hoffen?
Eines hat sich im vergangenen Jahrzehnt einmal mehr gezeigt: Das Timing ist für den Anlageerfolg von großer Bedeutung und bei vielen Sparern der Grund für eher durchwachsene Ergebnisse. Bei der Kapitalanlage handeln viele nicht nach dem Schnäppchenprinzip. Sind die Kurse im Keller, wird aus Angst und Unsicherheit weiter verkauft, zumal sich gerade die Wirtschaftsforscher mit düsteren Konjunkturprognosen gegenseitig überbieten. Für eine Kaufentscheidung warten viele dagegen erst ab, bis die Kurse sich wieder erholt haben. Dies ist verständlich, schließlich ist das Investieren nicht mit einem Waschmaschinenkauf zu vergleichen. Doch zu angemessenen Erträgen kann es nicht führen. Das richtige Timing ist natürlich eine Kunst für sich.
Auch der Rückzug in Staatsanleihen und Geldmarkt gibt langfristig nicht viel her. Kurzfristig kann es sinnvoll sein, vor allem für Geld, dass man bald wieder braucht. Auch freuen sich Banken derzeit über Spareinlagen als Refinanzierungsquelle und nicht zuletzt braucht der Staat Käufer für seine Schulden – die in den nächsten Jahren nicht weniger werden. Auf der Strecke bleiben allerdings die Unternehmen. Und auch die Anleger selbst, ist doch die Realverzinsung auf lange Sicht niedrig und dank fallender Leitzinsen ohnehin im Sinken begriffen. Japan liefert zwar ein Beispiel dafür, dass Sparer sich durchaus damit zufrieden geben, solange ihr Kapital gesichert ist. Doch ein bisschen mehr Risiko dürfte es momentan durchaus sein. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft, so heißt es auf jedem Fondsfactsheet. Das heißt aber auch, dass eine schlechte Wertentwicklung nicht in die Zukunft fortgeschrieben werden sollte.
Hinzu kommt, dass die nun zurückliegende Zehnjahresperiode von einem Börsenaufschwung am Anfang und einem Kursverfall am Ende markiert wird – ein höchst undankbarer Betrachtungszeitraum nicht nur aus Sicht von Marketing- und Vertriebsabteilungen. Geht man beispielsweise ein Jahr zurück, sieht das Bild schon wieder ganz anders aus. Eine Konsequenz daraus scheint aber zu sein, dass die normalerweise empfohlenen Zeiträume für die Aktienanlage (ab 5 Jahre) eher zu kurz gegriffen sind. Wer genügend Zeit mitbringt, verfällt auch in einem Jahr wie 2008 nicht in Panik. (Natalia Wolfstetter)
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