19.06.2018 - 10:43 | Lesezeichen | Startseite | Newsletter | Suche | Kontakt | Seite drucken | Sitemap   
 
   

Wo Sie neue
Boom-Börsen finden?!

 

  Geheime Aktien-Gewinnstrategie?!

      Menü

    Home

      Wissen

      Börsen-ABC
      Anlegerrecht


        Twitter & Facebook

        



Anzeige  


 

Suche

 


Kursabfrage

 



 
Kunst im Frühling


 


 

 

 

Bereitschaft zum Vergleich sehr gering

Samstag, 11. Oktober 2008 um 10:33

Die Bankenkrise zieht immer weitere Kreise und verunsichert Anleger. Wir stellten verschiedenen Anleger-Anwälten identische Fragen. Heute: Rechtsanwalt Jens Graf aus Düsseldorf.

Frage:
Vielen Anlegern wird erst jetzt klar, wie unsicher ihre Geldanlage ist. Selbst schuld oder falsch beraten?
Jens Graf:
Um diese Frage beantworten zu können, müsste ich Hellseher sein. Selbst dann könnte ich Ihnen nur angeben, dass der eine oder andere vermutlich selbst schuld gewesen ist, nicht wenige jedoch ohne eigenes Verschulden in die Situation gekommen sind, weil sie falsch beraten wurden. Die Rechtsprechung verlangt, dass der Einzelfall zu betrachten ist. Erfahrungsgemäss wird man, wenn man in eine klassische Aktienanlage investiert hat, wenig Möglichkeiten haben, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Das wird allenfalls dem 70-jährigen Mütterchen möglich sein, das mit dem Vorhaben, Festgeld zu verlängern, in die Bank kam und zu einer Aktienspekulation überredet wurde. Dabei unterstelle ich, dass es die Möglichkeit gibt, das auch zu beweisen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen und eine Herausforderung für den schließlich mit der Sache vor Gericht befassten Rechtsanwalt.

Es gibt einige Anlageformen, wo die Erfolgsaussichten für Schadensersatz überdurchschnittlich häufig gegeben sind. So etwa bei Fondsanlagen, wie Immobilien- und Medienfonds, aber auch bei Aktienfonds, wie neuerdings bei vielen Zertifikaten. Es gibt bestimmte, typische Voraussetzungen, die diese Anlageobjekte überwiegend erfüllen im Sinne einer „strukturellen“ Falschberatung durch die Kreditwirtschaft.

Wer Anhaltspunkte dafür hat, geschädigt worden zu sein, etwa, weil das Versprechen der Sicherheit der Anlage sich heute als haltlos erweist, ist gut beraten, einen Anleger-Anwalt zu konsultieren. Allerdings ist es nicht einfach, den richtigen zu finden. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Kollegen, die sich für befähigt halten, das mehr in der Hoffnung auf vermeintlich lukrative Mandate tun, als vor dem Hintergrund einer gerade in diesem Bereich unabdingbar erforderlichen Erfahrung.

In vielen Fällen wird der Geschädigte aber gar nicht wissen, dass er potentieller Kandidat für die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ist. Ausschlaggebend sind nämlich oft Tatsachen, die man ihm im Beratungsgespräch vorenthalten hat. Allein durch den Eintritt eines Verlustes erhält er weder nachträglich diese Erkenntnisse, noch wird ihm gewahr, dass ihm gegenüber eine Pflichtverletzung begangen worden ist. Im Zweifelsfalle fragt man also lieber, ob es Möglichkeiten gibt. Das ist wie bei einem Arztbesuch, den man auch nicht erst vereinbaren sollte, wenn die Anzeichen für eine Erkrankung offensichtlich sind, spätestens aber dann in Angriff nehmen sollte.

Frage:
Ist jetzt gut beraten, wer einen Anleger-Anwalt konsultiert?
Graf:
Anleger-Anwälte, die ihr Handwerk verstehen, können oft für ihre Mandanten eine Menge tun. Einen Ausschnitt dessen, was meine Kanzlei leistet, können Sie unserem Internetauftritt entnehmen. Das Ziel der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ist in der Regel die Wiederherstellung des Zustandes, wie er sein würde, wenn sich der Mandant nicht auf das Geschäft eingelassen hätte. Das ist bei einer Fondsanlage beispielsweise die Rückzahlung des Eigenkapitals, die Freistellung von Kreditverpflichtungen, der Ersatz der außergerichtlichen Anwaltskosten, der gerichtlichen ohnehin, wie eine Verzinsung von Geldforderungen, die als Prozesszinsen derzeit allein schon 8,19 Prozent per anno ausmacht. In Frage kommt auch die Geltendmachung von Schadensersatz für entgangenen Gewinn für eine Alternativanlage, die getätigt worden wäre, wenn man richtig beraten worden wäre. Da können sich ganz erhebliche Beträge ergeben, auch, was den Ersatz von Begleitschäden angeht, wie Kosten des Steuerberaters im Zusammenhang mit einer geplatzten Steueranlage, wie derzeit etwa bei den VIP-Medienfonds.

Frage:
Sind die Banken in Zeiten wie diesen eher bereit, sich auf kulante außergerichtliche Vergleiche einzulassen?
Graf:
Eine verallgemeinernde Aussage über die Vergleichsbereitschaft von Banken ist kaum möglich. Das schon deshalb nicht, weil die Kreditwirtschaft das Wort „Kulanz“ anders versteht als der geschädigte Kunde. Für eine Bank ist es gelegentlich ein außerordentlich großzügiges Entgegenkommen, wenn sie auf ein Viertelprozent Zinsbelastung für einen Kredit verzichtet. Wenn der Kunde das – oft mit gutem Recht – empört zurückweist, trifft er gelegentlich auf ahnungsloses Unverständnis bei seinem Berater. Vor diesem Hintergrund neige ich eher zu der Bewertung, dass die Bereitschaft zu Vergleichsabschlüssen schon früher sehr gering war. Sie wird durch die jetzige Situation, wo die Banken vermutlich versuchen werden, ihr Geld zusammen zu halten, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Sinne geschädigter Anleger verbessert werden. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die Banken in den vergangenen Jahren in Gerichtsprozessen erfolgreich waren, unter anderem weil sich die Geschädigten von Kollegen haben vertreten lassen, die ihre Qualitäten mehr im Akquisitionsbereich hatten und weniger auf der fachlichen Seite. Das ist aber ein anderes Thema.

Frage:
Es ist viel von mehr Kontrolle, mehr Regulierung, Begrenzung der Managergehälter und deren Haftung für Verluste die Rede. Werden aus Ihrer Sicht damit die Weichen in die richtige Richtung gestellt?
Graf:
Gesetze und Regulierungen haben wir, seitdem es das Bürgerliche Gesetzbuch gibt, mehr als genug. Man sieht das sehr schön an der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs: Da, wo er den Anleger schützen will, gelingt ihm das selbst hin bis zu der Annahme von vorsätzlichem Handeln von Geschäftsführern von Vermittlungsunternehmen. Es scheint mir deshalb eher eine Frage des Bewusstseins der Anleger zu sein. Wenn der Kunde, der sich von seiner Bank falsch behandelt fühlt, in jedem Falle die Konsequenzen ziehen und das Institut wechseln würde, wäre vermutlich schon ein Schritt in einer bessere Welt getan. Wenn man dann noch einen fachlich versierten Anwalt, der tatsächlich von seinem Job etwas versteht, in Ruhe seinen Job machen lassen würde, ohne nach vermeintlichen „Sonderangeboten“ für die Erbringung anwaltlicher Tätigkeit zu suchen, die mir einer der Gründe dafür zu sein scheinen, dass nicht immer die besten unserer Zunft bei prominenten Fällen in der ersten Reihe stehen, wäre dem Geschädigten in vielen Fällen zu helfen. Eine gute anwaltliche Dienstleistung ist es auch, wenn der Anwalt frühzeitig davon abrät, in aussichtslose Sachen Geld und Zeit zu investieren. Das scheint mir in der Vergangenheit nicht immer beherzigt worden zu sein, wenn man beispielsweise beobachtet, wie der eine oder andere Kollege noch nach Mandanten trommelt, selbst wenn der Gegner schon in der Insolvenz ist.

Frage:
Sie sind für einen Tag Bundesfinanzminister oder EZB-Präsident. Was würden Sie zur Beilegung der Krise und zur Verhinderung zukünftiger Krisen zuerst unternehmen?
Graf:
In einem Tag würde ich als Bundesfinanzminister oder EZB-Präsident die Probleme mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht lösen können. Ich glaube, man überfordert die Politik, wenn man so etwas von ihr erwartet. Sie hat vermutlich schon einen guten Job gemacht, wenn sie die Situation nicht verschlimmert und vor allem bei ihren Maßnahmen nicht aus den Augen verliert, die dafür Verantwortlichen nicht ungeschoren davonkommen zu lassen - soweit das in unserem System der Politik überhaupt möglich ist.

Vieles deutet darauf hin, dass wir in erster Linie eine Glaubwürdigkeitskrise haben. Für mich, der ich tagtäglich mit Falschberatung durch die Kreditwirtschaft konfrontiert werde, bei der es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein in etlichen Fällen auf das Abzocken der Kundschaft gerichtetes, industrialisiertes System handelt, ist die Wurzel des Übels das über Jahre schrankenlos ausgeuferte Geflecht jeden Bezug zur Realität verloren habender Bonuszahlungen. Sie haben dazu geführt, dass neben Moral und Ehtik jedes Augenmass verlorengegangen ist und jeder Gedanke an eine möglichst sichere Anlage zurückgedrängt wurde. Das, was man unseren Mandanten gelegentlich vorwirft, nämlich „Gier frisst Hirn“, trifft eher auf die Wegbereiter einer Kreditwirtschaft zu, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt haben. Grund dafür ist das schwächste Glied in jedem System oder Ablauf, sei es der Atomwirtschaft oder bei Banken und Sparkassen: Die Fehlbarkeit des Menschen.

Gesetz-, Verordnungs- und Rahmengeber gehen von der Idealvorstellung des unfehlbaren Managers aus, den es nicht gibt und der sich auch nicht durch Gesetze, Verordnungen und/oder Arbeitsanweisungen erschaffen lässt. Helfen kann nur maximale Transparenz und permanente Überwachung. Das erfordert den Einsatz von qualifizierten Kräften, der in der Politik mit dem Argument angeblicher „Kostenersparnis“ lange ein Unthema war. Der vermeintlich allheilende „Sparzwang“ der Politik ist allerdings kein auf die Finanzwelt beschränktes Phänomen, sondern leider weit verbreitet. Wir sehen das beispielsweise in der Rechtsprechung, wo die „Reformen“ der einen oder anderen Verfahrensordnung dazu geführt haben, dass die Möglichkeiten, Fehlentscheidungen fehlbarer, weil menschlicher Richter nicht nur grundsätzlich, sondern im konkreten Einzelfall überprüfen lassen zu können, erheblich eingeschränkt wurden. Das macht sich beispielsweise beim Kapitalanlagenrecht bemerkbar. Es ist eines der schwierigsten Gebiete im Rechtssystem und in ganz besonderem Maße beeinflusst von Fehlvorstellungen der Richterschaft. Die Bankwelt macht sich das bewusst zu Nutze, indem sie eher dazu neigt, es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen. Das auch in Fällen, in denen die Niederlage der Bank angesichts eindeutiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs klar vorhersehbar sein müsste. Wer einen Rechtsstreit objektiv betrachtet sowieso nur verlieren kann, geht kein Risiko ein, wenn er ihn aufnimmt. Im Gegenteil, er spekuliert auf eine Fehlentscheidung und damit einen unverdienten Erfolg, der in dem einen oder anderen Fall möglich wird durch fehlerhafte Richter, wie durch Kollegen, die Fälle übernehmen, denen sie nicht gewachsen sind.

Jens Graf, Rechtsanwalt
Königsallee 52 – 54
40212 Düsseldorf
Telefon 0211/86322525
Telefax 0211/86322555
e-Mail: Jens.Graf@t-online.de
www.vermoegenswiederherstellung.de

Lesen Sie auch folgende Artikel:

Mißverständliche Risikokategorien
Beratungsfehler Klumpenrisiko
Klage gegen Standard & Poor’s zulässig
Dubai 1000 Hotel-Fonds: Bald Geld zurück?
Rechtsprechung zu Kick-backs ausgeweitet
Totalverlust droht
Durchbruch im Lehman-Verfahren
Deutsche Bank stimmt Riesenrad-Vergleich zu
Apo-Bank muß Schadensersatz leisten
Offene Immobilienfonds - Wochen der Wahrheit
Steuernachzahlungen drohen
Prospektübergabe an Lebensgefährten
Grundsatzentscheidung zur Anlegerentschädigung
Premium Management Immobilien-Anlagen
Medico Fonds Nr. 37: Große Verunsicherung
Morgan Stanley P2 Value wird aufgelöst
Liquidation des Degi Europa
DG-Fonds-Anleger müssen handeln
Chancen für Späterwerber von Lehman-Zertifikaten
Bankhaus Löbbecke verurteilt
Medienfonds Macron: Klage abgewiesen
Anleger darf Angaben des Beraters vertrauen
MLP: Oberlandesgericht ordnet Bilanz-Prüfung an
Musterverfahren gegen Conergy
Fehler in Widerrufsbelehrungen von Medienfonds
Neue Hoffnung für Medienfonds-Anleger
Schadensersatz wegen "Kick-back"-Zahlungen
VIP 4 Medienfonds-Verfahren vor Abschluß
Wankende Schiffsfonds
Dresdner Bank wegen Lehman-Zertifikate verurteilt
Medienfonds: Steuernachzahlungen drohen
Informationen für Zertifikate-Geschädigte
BGH: Rückvergütung muß immer offengelegt werden
Schadensersatzpflicht von Aktionären
Vergleichsangebote von Sparkassen
Mehr Kontrolle wäre sehr wirksam
BaFin verweigert Informationsanspruch
Brauchen Mißbrauchs- und Transparenzkontrolle
Kein schriftlicher Kontakt mit der Bank
Zertifikateinhaber in der Finanzmarktkrise
OVB wegen Falschberatung verurteilt
Aufsichtsrat haftet persönlich
VIP 3 und 4 Medienfonds: Verjährung droht
Vorstände haften für Falschangaben
Kein Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung
Landgericht weitet „Kickback“-Rechtsprechung aus
Schrottimmobilien: Aareal Bank verurteilt
VIP 4: Commerzbank muß zahlen
SKR-Rente entpuppt sich als "Risikorente"

 

Anzeige


 


 
 
 
 
 
 
 
       
     


© 1999 - 2018 by instock.de | Mediadaten | Impressum | Datenschutz