Von Bernd Niquet
Anfang der Woche habe ich geschrieben: Wenn jetzt kein Crash, wann dann? Und: Wenn der Dow 20 Prozent gefallen wäre, hätte sich niemand beschweren können.
Jetzt ist der Crash zum Wochenanfang passiert: 7 Prozent Minus im Dow. Aber es ist nur das zweitschlechteste Szenario, das abgelaufen ist. Meine größte Angst war, dass der Bailout-Plan beschlossen wird und die Aktien trotzdem fallen. Doch er ist nicht beschlossen worden – und die Aktien sind gefallen. Das ist also eine durchaus normale Reaktion, die den bisherigen Besorgnissen keine neuen hinzu fügt. Vielleicht sind deswegen die Kurse auch wieder vergleichsweise besser.
Derzeit gerät ja alles, was den Namen „Bank“ oder „Immobilie“ trägt, unter Generalverdacht. Mir ist daher wichtig, auf Folgendes hinzuweisen. Nehmen wir eine ganz vereinfachte Bilanz: 100 Einheiten Vermögen auf der Aktienseite – und auf der Passivseite 95 Einheiten Verbindlichkeiten und 5 Einheiten Eigenkapital. Wenn jetzt das Vermögen um 5 Einheiten fällt, ist das Eigenkapital futsch, die Firma Pleite und die Aktien wertlos.
Das heißt jedoch keinesfalls, dass ihre Verbindlichkeiten ebenfalls wertlos sind. Wer jetzt noch Forderungen gegen die Gesellschaft besitzt, kann diese zwar nicht sofort liquidieren, weil sie sicherlich auf den Märkten ausgesetzt sind. Derjenige muss warten, kann aber durchaus auf die Rückzahlung vertrauen.
Ohne diesen Zusammenhang würde auch keine Einlagensicherung funktionieren. Der Fehler unserer Sorge um die Einlagensicherung ist ja, dass wir stets die volle Höhe der Passivseite einer Bank in Schieflage mit den Mitteln des Einlagensicherungsfonds kontrastieren. Und das ist natürlich grundfalsch und illegitim. Es geht stets und immer nur um die Differenz von Vermögen und Verbindlichkeiten. Und diese ist wesentlich kleiner und kann selbst beim Verlust des gesamten Eigenkapitals immer noch Null sein.
Die Lage ist also zwar durchaus hoffnungslos, aber auch nicht so ernst, wie oft ausgemalt.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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