Von Wolfgang Braun
Das Schuldenlimit in den USA wurde wie erwartet erhöht. Die Anleger reagierten aber nicht mit Erleichterung. Stattdessen gingen die Börsen ab Montagmittag in den Sturzflug über: Bis zum Xetra-Schluss am Mittwoch gab der Dax fast 10 Prozent nach: Das sind crashartige Verluste. Was war der Grund für diesen drastischen Stimmungsumschwung unter den Investoren?
Die jüngsten Konjunkturdaten hatten bereits die Sorgen vor einer erlahmenden US-Konjunktur geschürt. Da der Staat jetzt auch noch auf die Ausgabebremse tritt, befürchten Anleger den Rückfall in die Rezession. Zusammen mit der durch die Geldschwemme ausgelösten Inflation droht ein Szenario, das als Supergau gilt: Eine Stagflation! Diese Phase einer Konjunkturflaute gepaart mit steigenden Preisen gab es in den 70er-Jahren. Die Börsen litten enorm: Der Dax büßte von Anfang 1970 bis Ende 1979 rund 13 Prozent an Wert ein.
Wer einen Blick auf die makro-ökonomischen Daten wirft, sieht ein äußerst ungünstiges Umfeld. Die US-Wirtschaft braucht eigentlich neue Hilfen, dem Staat fehlt dazu aber das Geld. Insgesamt sind die Verschuldungsquoten weltweit (Ausnahme Schwellenländer) viel zu hoch, so dass in den nächsten Jahren in den Industrieländern allenfalls verhaltene Wachstumsaussichten bestehen, zumal auch noch die Überalterung der Bevölkerung eine Rolle spielt.
Fehlende Alternativen
Es gibt aber auch einige Punkte, die für Aktien sprechen. So fällt das Sparprogramm in den USA mit 240 Milliarden Dollar im Jahr (rund 1,3 Prozent des BIP) im Vergleich etwa zu Griechenland (13 Prozent des BIP) kaum ins Gewicht. Dazu entwickeln sich die Unternehmen trotz fehlender Konjunkturstütze gut: Die Firmen aus dem Dow Jones dürften im zweiten Quartal so viel Umsatz und Gewinn wie nie zuvor erzielt haben. Die Bewertungen fallen damit weiter: Sowohl der Dow als auch der Dax bringen es inzwischen nur noch auf Gewinnvielfache für 2011 von um die 10. Bei einer Konjunkturflaute dürften die künftigen Ergebnisse zwar fallen, die weit unterdurchschnittlichen Bewertungen preisen das aber schon teilweise ein. Große Stütze für die Börsen sind dazu die fehlenden Anlagealternativen. Staatsanleihen sind alles andere als sicher und dazu weit teurer als Aktien. Und die US-Notenbank dürfte die Hand bereits wieder an der Notenpresse haben.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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