Von Bernd Niquet
"Wir müssen wirklich schnellstmöglich von der Kernenergie wegkommen“, sagt der junge Mann und bläst mir den Rauch seiner Zigarette ins Gesicht. Wie Recht er hat, denke ich, die Jugend braucht Ideale, sie muss ihre Begeisterung ausleben. Und die Alten in unserem Lande sind doch heute auch noch jung.
Ja, es wird wirklich höchste Zeit, dass wir in Deutschland von der Kernkraft wegkommen. Schließlich ist in unserem Land noch kein einziger Mensch unmittelbar dadurch ums Leben gekommen. Und das ist doch schön und sollte so bleiben.
Rauchertote gibt es hierzulande 140.000 pro Jahr. Weltweit fordert das Rauchen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar 5,4 Millionen Tote pro Jahr, Tendenz steigend. „Das ist so“, wird ein Mitarbeiter der WHO zitiert, „als ob jede Stunde ein Jumbojet abstürzen würde.“ Das sind doch nur Ablenkmanöver, denke ich. Wir sollten wirklich unsere Aufmerksamkeit ganz auf die Kernkraft konzentrieren.
Falls die Regierungen nicht energisch gegensteuerten, so die WHO weiter, sei binnen 20 Jahren sogar mit 8,3 Millionen Toten pro Jahr zu rechnen. Das Bevölkerungswachstum mit eingerechnet, könnte die Gesamtzahl der Toten damit in diesem Jahrhundert bei einer Milliarde liegen.
100 Billionen Schulden und eine Milliarde Tote, das wäre es doch. Aber die Regierungen haben wirklich andere Probleme. Im Zentrum muss jetzt erst einmal die Kernkraft stehen, so viel ist sicher. Außerdem: Wer raucht, ist schließlich selbst Schuld. Eine Steckdose hingegen braucht jeder. Ist doch logisch, oder?
Eine weitere Studie der WHO zeigt, dass jedes Jahr weltweit 600.000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens sterben. In Deutschland sind es jährlich etwa 3.300. Wie viele Strahlentote gab es noch einmal in Japan? Aber man kann doch Menschenleben nicht gegeneinander aufrechnen. Nein, das kann man nicht.
Wer jährlich zweimal auf die Kanaren fliegt, einmal mit dem Auto nach Italien fährt und dann gegen CO2-Emissionen und Kernkraft zu Felde zieht, ist ein lustiger Wicht, denke ich. Könnten wir nicht den Kühen Windräder am Hintern anbringen? Und uns selbst auch?
Die Verkehrstoten sind zum Glück jedes Jahr rückläufig. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland nur noch 3.600 Menschen auf der Straße gestorben und 371.000 verletzt worden. Das ist eben der Preis der Mobilität. Die Energiegewinnung hingegen darf keinen Preis haben. Und die Kernkraft schon gar nicht.
Es geht schließlich um das Schicksal unserer Kinder. Dass diese fett und degeneriert sind, ist nicht weiter schlimm. Das wächst sich schon irgendwie aus. Ansonsten ist eigentlich nur das Osterfest wichtig. Weil man da endlich wieder voll auf die Autobahn brettern oder sich am Flughafen anstellen kann. Und die ganz Nachdenklichen von uns machen sich derweil ein paar ernste Gedanken über die Kernkraft zum Fest.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH 2011 IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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