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Handlungsbedarf?

Freitag, 19. September 2008 um 23:00

(Morningstar) Dass Finanzmärkte hohen Schwankungen unterliegen – dafür lieferten das laufenden Jahr und insbesondere die vergangenen Tage eine mehr als eindrucksvolle Kostprobe: Bankenzusammenbrüche, Kurssturz bei Aktien und anderen risikobehafteten Wertpapieren, Konjunkturängste. Angesichts dieser Ballung an schlechten Nachrichten fragen sich viele Anleger, wie sicher ihre Fondsinvestments sind und ob sie gar verkaufen sollten.

Gelder, die in Fonds angelegt sind, sind durch ihren Status als Sondervermögen geschützt. Ein solches Sondervermögen ist rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und haftet nicht für deren Verbindlichkeiten. Wird die Gesellschaft insolvent, gehört es daher nicht zur Konkursmasse und ist vor dem Zugriff der Gläubiger sicher.

Anders liegt die Sache dagegen bei Zertifikaten. Diese sind Inhaberschuldverschreibungen der emittierenden Banken. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten wird das Zertifikat praktisch wertlos. Dies gilt beispielsweise für die Zertifikate, die von der mittlerweile insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers begeben wurden. Das Emittentenrisiko unterscheidet Zertifikate somit von Fonds. Dieses Risiko galt lange Zeit nur als Pro-forma-Argument, das der boomenden Zertifikatebranche nichts anhaben konnte. In einer Finanzkrise wird allerdings deutlich, dass die Bonität doch nicht zu unterschätzen ist.

Und wie verhält es sich mit Zertifikatefonds? Diese investieren anstatt von Aktien oder Anleihen in Zertifikate. Das Fondsvermögen ist wiederum als Sondervermögen geschützt. Wird allerdings eines der darin enthaltenen Zertifikate wertlos, so verliert auch der Fonds an Wert. Dies gilt natürlich in gleicher Weise für andere Arten von Investmentfonds: Die Kurse der darin gehaltenen Wertpapiere sind abhängig von der Kapitalmarktentwicklung.

Fazit: Das Vermögen als solches ist geschützt, dessen Wert sinkt jedoch in einem Umfeld fallender Finanzmärkte.

Heißt dies nun für Anleger: Nichts wie weg? Besser nicht. Wer nach einem Kurssturz verkauft, wählt dafür einen denkbar schlechten Zeitpunkt. Das Kind ist schließlich schon in den Brunnen gefallen. Vor allem wenn man in den Jahren davor auf steigende Kurse gewartet hat, um dann erst zu investieren.

Es ist natürlich möglich und auch nicht unwahrscheinlich, dass mit den jüngsten Turbulenzen das Ende der Talsohle noch gar nicht erreicht ist. Schließlich sah sich getäuscht, wer nach dem Zusammenbruch von Bear Stearns im März dachte, dass die Krise ihren Höhepunkt erreicht hatte. Was noch auf uns zukommt, kann angesichts der Komplexität des globalen Finanzsystems niemand abschätzen.

Dennoch: Mutige Anleger entdecken in Zeiten der größten Panik auch Licht am Ende des Tunnels. Das Schlimmste liegt hinter uns, heißt dann das Argument. Außerdem: Unterstützung käme nicht nur von den Notenbanken und von staatlicher Seite, auch private Käufer (z.B. Unternehmen) stünden bereit, nachdem Aktien und andere Vermögenswerte nun so viel günstiger zu haben sind. Entspannung sei zudem von der Inflationsfront durch sinkende Rohstoffpreise und die Konjunkturabkühlung zu erwarten.

Es gehört natürlich einiger Mut dazu, auf diese Argumente hin zu handeln. Gut möglich, dass man in sechs oder zwölf Monaten auch nicht besser dasteht. Auf Sicht von einigen Jahren könnte es sich aber als genau der richtige Schachzug erweisen.

Sicherlich werden die wenigsten soweit gehen wollen. Doch Anleger sind auf jeden Fall gut beraten, Ruhe zu bewahren und nichts zu überstürzen. Die Regeln einer vernünftigen Anlageplanung behalten auch in schwierigen Zeiten ihre Gültigkeit. (Natalia Wolfstetter)

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

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