Von Bernd Niquet
Jetzt hat es die Märkte wirklich noch einmal hart getroffen – und niemand kann sagen, ob das bereits das Ende ist. Aus diesem Anlass heute eine Kolumne, die von Anfang bis Ende ernst gemeint ist.
Ich freue mich über die Krise! Und das gleich aus zwei Gründen: Erstens, weil ich derzeit mein abgeltungssteuerfreies Portfolio zusammen stelle und mir daher einfach nichts Besseres passieren kann, als zu deutlich gesunkenen Kursen die Perlen im Markt abzugreifen. Und zweitens, weil ich eins sehr schadenfroher Mensch bin.
Da sind die US-Investmentbanken über lange Jahre hinweg mit den Anlegern Schlitten gefahren, haben jeden Mist mit Hochglanz in Papierform gebracht und sie den Anlegern in die Portfolios gedrückt. Doch jetzt gehen nicht die normalen Anleger Pleite, sondern die Initiatoren dieses Schwindels. Wenn es jemals eine Gerechtigkeit gab an den Märkten, dann jetzt! Und dafür, dass diese Schlachtschiffe jetzt absaufen, nehme ich gerne einen höheren Wellengang in meiner Nußschale in Kauf.
Natürlich gibt es Systemrisiken. Sollte uns jetzt alles um die Ohren fliegen, dann nützt auch die schönste und reine Schadenfreude nichts mehr. Doch warum sollte das der Fall sein? Denn es gibt zwar Pleitekandidaten, doch andererseits stehen viele potentielle Käufer Schlange und gieren nach Sonderangeboten. Bei der Bank of America macht man derzeit sicher Freudentänze. Hier gibt es keine Krise. Die Krise gibt es nur bei den einen, für die anderen sind das Festtage.
Die aalglatten Investmentbanker, die „Masters of the Universe“, sollen sie doch alle stiften gehen. Sie alle sollen Buße tun und sich einen Strick nehmen. Die Welt lechzt nach ihren Selbstmorden. Ihr Universum soll untergehen, und ein neues Universum wird entstehen. Und ich denke, wir werden keinen Systemcrash erleben, sondern nur eine völlige Umwälzung des Finanzsystems. Und das bietet ebenso Chancen wie Risiken. Aber keinen Weltuntergang.
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Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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Bernd Niquet, Der MADchester-Kapitalismus. Das Buch zur Krise, München 2008, 143 Seiten. 12 Euro, ISBN 978-3-937200-49-1. Jetzt hier bestellen.









