Von Bernd Niquet
Es gibt eine Pflanze, die ist nicht auszurotten. Sie wächst in unseren Breitengraden selbst im Winter und im tiefsten Schnee. Es ist die Pflanze der Prognose.
Da ich im Unterschied zu den meisten anderen leider nicht in die Zukunft vorausberechnen kann, muss ich mich mit Gegenwartsimpressionen zufrieden geben und daraus meine Schlüsse ziehen. Kurz vor dem Fest konnte ich das Gespräch zweier Frauen belauschen:
„Ach, mir ging es gar nicht so gut mit meiner Erkältung“, sagt da die eine. „War bei mir auch so“, die andere.
„Dann bin ich aber doch noch heraus gegangen“, so wieder die eine. „Ist ja lustig“, daraufhin die andere, „ich nämlich auch.“
Sie meinten allerdings keinesfalls einen Spaziergang, sondern sie sind mit ihren Geländewagen zum Einkaufen gefahren.
Herausgehen steht heute also bereits als Synonym für das Konsumieren.
Wo so viel Reichtum herrscht, wird es nicht über Nacht Armut geben. Niemand sollte verkennen, dass das Spiegelbild der exorbitanten Schulden in beinahe allen Bereichen der exorbitante Wohlstand in beinahe allen Bereichen ist.
Es ist, als ob die Gemeinschaft als Ganzes wie der Mensch als Einzelwesen sich jeweils in der Mitte durchteilt haben. Die Vorderseite ist glänzend von Prunk, allerdings ist der Arsch voller Schulden.
Ich denke, dass wir in den kommenden Jahren deutliche Zuwächse an Wohlstand vor uns haben. Am Ende dieses Jahrzehnts wird der Wohlstand neue historische Höhen erklommen haben. (Die Schulden allerdings auch.)
Warum sollte sich daran etwas ändern? Ich denke, es wird uns immer besser gehen. Allerdings nur, wenn man unter „besser gehen“ nur die Zunahme des materiell messbaren Wohlstands versteht.
Alles andere ist ja bereits weithin verloren. Und dann werden wir wirklich bald eine neue Bibel schreiben können und müssen.
In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH IM WINTER IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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