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Fannie, Freddie und Bill

Freitag, 12. September 2008 um 00:26

(Morningstar) Vergangenes Wochenende erreichten die Rettungsaktionen für die angeschlagenen und bis dahin halbstaatlichen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac ihren vorläufigen Höhepunkt: Die US-Regierung übernahm in beiden Institutionen die Kontrolle. Insgesamt umfasst die Hilfsaktion vier Schritte. Im ersten wurde das Management der beiden größten Finanzierer des US-Immobilienmarktes ausgetauscht. Zum zweiten wurde vereinbart, dass das Finanzministerium zu einem unbestimmten Zeitpunkt Vorzugsaktien der beiden Institute kaufen könne, wenn die Umstände dies erfordern. Dieser Schritt soll das Eigenkapital der beiden Hypothekenbanken zukünftig garantieren und damit vor allem den Anleihen-Besitzern der Vorzugs- und normalen Tranchen eine gewisse Sicherheit geben. Das Volumen für diese Aktion beläuft sich auf 100 Milliarden US-Dollar. Aktuell sind die beiden Banken nicht einmal 10 Milliarden Dollar an der Börse wert. Im dritten Schritt wurde vom Finanzministerium eine neue Kreditlinie genehmigt, damit das Tagesgeschäft wie bisher möglich bleibt. Beide Unternehmen konnten bis dahin gerade noch die Eigenkapitalanforderungen erfüllen. Mit dem vierten Schritt wird das Finanzministerium für eine gewisse Zeit hypothekenbesicherte Anleihen (Mortgage-Backed Securities) von Fannie und Freddie am offenen Markt kaufen. Die Hypothekenfinanzierer dürfen ihr Portfolio aufstocken und in den nächsten 15 Monate wieder den Bestand der Hypotheken erhöhen. Ab dem Jahr 2010 soll das Portfolio um jährlich 10 Prozent schrumpfen.

Fannie Mae wurde 1938 unter Franklin D. Roosevelts New Deal Policy gegründet, um den heimischen Immobilienmarkt zu finanzieren. 1968 wurde das staatliche Institut an die Börse gebracht. Freddie Mac wurde 1970 als Konkurrenz zu Fannie Mae ins Leben gerufen. Die Institute kaufen von den Banken Hypotheken und finanzieren dies durch die Ausgabe von günstigen Anleihen. Durch die Subprimekrise haben sie im vergangenen Jahr zusammen einen Verlust von 15 Milliarden Dollar verbucht. In der Folge sind für die zwei halbstaatlichen Banken die Finanzierungskosten erheblich gestiegen. Zusätzlich werden fortlaufend Anleihen fällig. Bis zum Ende des dritten Quartals 2008 müssen Fannie und Freddie 223 Milliarden Dollar bedienen.

Die staatliche Übernahme ist die bisher einschneidendste Maßnahme von offizieller Seite, um die seit über einem Jahr andauernde Kreditkrise abzumildern. Schon im Frühjahr sprang die US-Notenbank mit einer Garantie in Höhe von 30 Milliarden Dollar bei der Übernahme von Bear Stearns durch J.P. Morgan ein. Daher wirkt dieser Schritt von Seiten des Finanzministeriums nicht unbedingt überraschend. Die beiden Institute sind zu groß, als dass man sie scheitern lassen könnte, besitzen oder garantieren sie doch zusammen fast die Hälfte der amerikanischen Hypotheken. Auch haben Fannie Mae und Freddie Mac Anleihen in Höhe von insgesamt 5,2 Billionen Dollar ausgegeben, die hauptsächlich von institutionellen Investoren gehalten werden. Seit Jahren investieren asiatische Zentralbanken einen Teil ihrer überschüssigen Währungsreserven in die Schuldverschreibungen der beiden Hypothekenbanken, da die Vorzugsanleihen als staatlich gedeckt gelten. Was bedeutet dies alles nun für Anleger, insbesondere soweit sie Aktien oder aber Anleihen der beiden Hypothekenriesen besitzen?

Anleiheeigner jubeln

Anleiheninvestoren hatten eine gute Woche, übernahm doch der amerikanische Staat quasi die Garantie für die ausstehenden Hypotheken. Bestes Beispiel: der größte Rentenfonds in den USA, der Pimco Total Return. Dessen Manager Bill Gross hatte auf eine Erholung der gebeutelten Hypothekenanleihen gesetzt und deren Anteil im Fonds im laufenden Jahr auf zwei Drittel des Portfolios erhöht. Gross ist nicht nur einer der einflussreichsten Akteure in der internationalen Anleihenwelt, sondern auch ein vehementer Verfechter der Rettungsaktion durch die US-Regierung. In verschiedenen Kommentaren und Medienauftritten trommelte er für ein staatliches Eingreifen. Dass es nun tatsächlich so kam, hat sich für seinen Fonds und dessen Anleger am Montag ausgezahlt. Die Risikoaufschläge hypothekenbesicherter Anleihen fielen, was dem Fonds an diesem Tag einen Kursgewinn von 1,7 Milliarden Dollar bescherte. Darüber konnten sich natürlich vor allem US-Anleger freuen. Ein Investment wäre zwar auch hierzulande möglich (über den Skandia Total Return USD Bond), doch investieren europäische Anleger in der Regel eher in Euro-Anleihen.

Doch auch das europäische Flaggschiffprodukt von Pimco, der Allianz-dit Euro Bond Total Return, konnte von seinen Investments in die Fannie- und Freddie-Papiere profitieren. Da es sich um einen Euro-Anleihenfonds handelt, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie sein US-Pendant: Für den Allianz-dit Euro Bond Total Return sind US-Hypothekenbonds eine Wette außerhalb seiner Benchmark (Lehman Euro Aggregate). Sie dürfen nur begrenzt zum Einsatz kommen und hatten laut Pimco einen Anteil von 20 Prozent am Portfolio.

Die Besitzer von Aktien der beiden Hypothekenfinanzierer stehen dagegen mit nahezu leeren Händen da: die Kurse sind abgestürzt, die Dividende wird ausgesetzt, durch die Kapitalerhöhung kommt es zu einer Verwässerung der Anteile.

Betroffen sind natürlich auch zahlreiche Fonds, die Freddie Mac und Fannie Mae Aktien hielten. Ein Blick auf die Morningstar Portfoliodaten zeigt, dass es meistens US-Aktienfonds mit Value-Ausrichtung sind, die größere Positionen an Fannie und Freddie Aktien hielten. Für Value-Fonds ist es nicht untypisch, auf ehemals etablierte Unternehmen zu setzen, deren Aktien vom Markt (nach Auffassung der Fondsmanager übertrieben) stark abgestraft wurden. US-Value-Fonds hielten im laufenden Jahr mit durchschnittlich 23 Prozent des Fondsvermögens auch mehr Finanzwerte als etwa Growth- oder auch neutral ausgerichtete Fonds für US-Aktien (ca. 16 Prozent), was sich auch in der Wertentwicklung negativ bemerkbar machte.

So waren Ende März 2008 die Aktien beider Hypothekenfinanzierer unter den Top 10 Werten im Portfolio des Parvest US Value zu finden. Ende Juni 2008 war Freddie Mac mit 3,8 Prozent immer noch eine der größten Positionen, während der Fondsmanager Fannie Mae Aktien teilweise abgestoßen hatte.

Auch Bill Miller, einer der bekanntesten Value-Manager, setzte in seinen Legg Mason Fonds, die in verschiedener Verpackung auch europäischen Anlegern offen stehen (LODH Invest Legg Mason US Value) auf eine Wende bei Freddie Mac. Noch im Juli erhöhte Legg Mason seinen Anteil an Freddie Mac auf 80 Millionen Aktien und wurde damit zu deren größtem Aktionär. Allerdings: Wo die Wette des einen Bill aufging, musste der andere Bill deutlich Federn lassen. (Natalia Wolfstetter und Simon Nöth)

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

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