Von Bernd Niquet
Schlimm wird alles nur, wenn man es aus eigener Anschauung kennt und am eigenen Leib erspürt. Was da ansonsten passiert, rührt einen wenig. Da sind die Flutopfer in Pakistan oder ein großer Crash am Markt, das Leiden fühlt man erst, wenn man selbst oder mit eigenem Geld dabei ist.
Das Gleiche gilt auch für Politik. Oder für Sarrazins Thesen. Welche Bedeutung hat es heute, dass wir irgendwann einmal gegen die Wand fahren? Auf lange Sicht sind wir doch sowieso tot. Doch bis dahin amüsieren wir uns lieber.
Erstaunlich finde ich, dass jetzt von allen Seiten so viele vernünftige Menschen zu hören sind, die sehr reflektiert über so schwere Themen zu parlieren verstehen – und trotzdem der Karren so weit in den Dreck gefahren ist.
Der Markt ist da viel genialer. Hier gibt es eine direkte Demokratie. Was keine Zukunft hat, wird radikal kursmäßig abgestraft. Doch wer schon einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wie das blinde und unaufhaltsame Wachstumsdenken unseren Planeten ruiniert, mag auch hier seine Zweifel bekommen.
Im Grund genommen haben wir in allen angesprochenen Kontexten sowieso keine Wahl. Mit mathematischer Genauigkeit lässt sich prognostizieren, dass wir nicht mehr lange so weiter machen können. Doch ebenso entschieden sagen sich alle: Was kümmert uns das heute.
Vielleicht hat in der Tat nicht das Rad, sondern der Wechsel, den wir auf die Zukunft ziehen, die Menschheit am meisten befördert.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH IM HEISSEN HERBST IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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