Von Wolfgang Braun
Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA sind verheerend ausgefallen und werfen berechtigte Fragen zum Zustand der US-Konjunktur auf. Derzeit sieht es so aus, als würde das Szenario eines Double Dips zumindest in den Vereinigten Staaten Realität. Entsprechend tief sind die Sorgenfalten der Anleger. Trotz hierzulande hervorragender Wirtschaftsdaten und Unternehmenszahlen, die an die Rekorde aus 2007 anknüpfen, gab es im Dax in den vergangenen Tagen einen Kursrutsch um mehr als 500 Punkte. Da ist es kein Wunder, dass die Crash-Propheten aus ihren Löchern krabbeln und den verunsicherten Anlegern den Aktienmarkt vollends mies machen wollen. Zwar lässt sich an den Börsen nichts völlig ausschließen, Spekulationen über eine Kurshalbierung des Dax scheinen aber maßlos übertrieben.
Neue Rettungspakete
So hat die US-Notenbank zuletzt bereits signalisiert, dass sie eine mögliche neue Konjunkturschwäche mit weiteren Stützungsmaßnahmen bekämpfen werde. Die Geldschleusen dürften also schon bald wieder weiter geöffnet werden. Auch die US-Regierung wird wohl unter Druck kommen und – trotz bereits jetzt hoher Budgetdefizite – bei noch schlechterer Lage am Arbeitsmarkt weitere Maßnahmen beschließen, um ein Abrutschen in japanische Verhältnisse zu verhindern. Selbst in Europa, wo die wirtschaftliche Lage dank der Lokomotive Deutschland derzeit robust ist, müssen Anleger kein Anziehen der Zinszügel befürchten.
Neben der hohen Liquidität sind die Bewertungen ein Schutz vor einem drastischen Kursverfall. So bringt es der Dax aktuell gerade einmal auf ein Index-KGV von elf – weit unter dem historischen Schnitt. Im Nebenwertesektor finden sich zahlreiche Titel, die über ein solides und wachstumsträchtiges Geschäftsmodell verfügen und deren Gewinnvielfaches dennoch im einstelligen Bereich liegt. Möglicherweise werden die „Herbststürme“ die Börsen noch etwas drücken, ein Kurssturz ist aber unwahrscheinlich. Und zum Jahresende hin dürften die hohe Liquidität und die günstigen Bewertungen wieder sehr gute Kaufchancen bieten. Anleger sollten sich daher von etwaigen Kursverlusten in den nächsten Wochen nicht vergraulen lassen, sondern auf die Suche nach langfristigen Kaufkandidaten gehen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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