(Morningstar) Odeniyaz Dzhaparov ist seit Anfang des Jahres der federführende Manager des DWS Osteuropa. Bei der Zusammensetzung des Portfolios wird er von vier weiteren Fondsmanagern unterstützt.
Damit eine Aktie im Portfolio landet, müssen die Fondsmanager von den Fundamentaldaten, dem Geschäftsmodell und dem Management überzeugt sein. Die Aktien werden nach einem DCF-Modell bewertet. Anschließend wird durch Unternehmensbesuche das Management geprüft.
Für neue Impulse kann das Team auf die gesamten Ressourcen der DWS zurückgreifen. So wurden zum Beispiel benchmarkferne Aktien aus dem Mittleren Osten und aus Nordafrika aufgebaut. Die Position beläuft sich auf 11 Prozent des Portfolios. Das Fondsmanagement nannte es eine Gelegenheit, die man aufgrund der Research-Kapazitäten hat. Mit dieser Strategie ist der Fonds nicht alleine, denn einige Wettbewerber setzen auf dieselbe Region, um ihr Portfolio aufzupolieren. Als Gelegenheit sah Dzhaparov auch den Konflikt mit Georgien, der den russischen Aktienmarkt zeitweise auf Talfahrt schickte. Es wurden Stahltitel und Energieaktien nachgekauft, die bis dahin zur Benchmark untergewichtet waren. Dennoch hält der Fonds 31 Prozent Energieaktien und ist damit teils von den Öl- und Gaspreisen abhängig.
Insgesamt weicht der Fonds nicht wesentlich von der Benchmark ab. Sein Russland-Gewicht bewegte sich in den vergangenen Jahren zwischen 50 und 65 Prozent, obwohl der Anteil bis auf ein Viertel gesenkt werden dürfte. In der Benchmark hat Russland ein Gewicht von 66 Prozent.
Das Portfolio unterscheidet sich bei den großen Positionen von seinen Konkurrenten und der Benchmark nur hinsichtlich der Konzentration. Der Anteil der Top Ten Holdings hat sich in den vergangenen zwölf Monaten auf die Hälfte des Fondsvermögens vergrößert. Im Hinblick auf die Performance sind die überdurchschnittlichen Kursverluste der meisten seiner Top-Positionen nicht unbemerkt geblieben. Seit Jahresbeginn ist der Kursverlust größer als bei Vergleichsfonds und der Benchmark. Ein zusätzlich Risikofaktor sind die Engagements in Nebenwerte (30 Prozent), wovon 10 Prozent des Portfolios zu den MicroCaps mit einer Marktkapitalisierung von unter 270 Millionen Euro zählen. Besonders in Schwellenländer reagieren diese Werte in turbulenten Märkten wegen der eintretenden Illiquidität entsprechend heftig.
Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, da der verantwortliche Manager erst seit Anfang des Jahres am Ruder ist. Es bleibt zu hoffen, dass der Fonds von zukünftigen Managerwechseln verschont bleibt. Durch seine früheren Tätigkeiten und der Leitung des DWS Russia kennt Dzhaparov den dortigen Markt. Als Plus sehen wir auch den Aufbau einer eigenen Osteuropa-Datenbank und die Verwendung eines auf Osteuropa zugeschnittenen DCF-Modells. Dennoch sollten sich Anleger des Risikos eines Schwellenländerfonds mit nur einer Schwerpunktregion bewusst sein. Das geopolitische Risiko Russlands, die starke Konzentration und der nicht unerhebliche Nebenwerteanteil erhöhen das Risiko. Daher ist dieser Fonds nur für Anleger mit einer entsprechenden Risikoneigung geeignet. In einem ausgewogenen Portfolio sollte der Fonds höchstens eine Nebenrolle spielen.
Strategie
Die Fondsmanager investieren hauptsächlich in Unternehmen aus den zentral- und osteuropäischen Ländern. Es können aber auch Unternehmen aus der Kaukasus Region, dem Mittleren Osten oder Nordafrika gekauft werden. Für die Titelselektion steht den Fondsmanagern zwar die hauseigene globale Datenbank G-Cube zu Verfügung, allerdings sind viele interessante Unternehmen darin nicht enthalten. Das Team hat bereits mit dem Aufbau einer eigenen Datenbank begonnen und analysiert die Unternehmen nach einem auf osteuropäische Unternehmen zugeschnittenen DCF-Modell.
Das Anlageuniversum reduziert sich nach Screenings auf etwa 400 Unternehmen. Neben der quantitativen Bewertung (gesunde Bilanzen, Verschuldung) ist die qualitative Einschätzung wichtig. Diese soll durch Unternehmensbesuche erreicht werden, wobei ein klares Geschäftsmodell und eine überzeugende Strategie im Mittelpunkt stehen. Im vergangenen Jahr fanden 300 solcher Meetings in Deutschland, Warschau und Moskau statt.
Eine Mindestanforderung an die Marktkapitalisierung gibt es nicht. Der Fonds hält daher auch Aktien von sehr kleinen Unternehmen. In turbulenten Märkten verringert sich die Liquidität von Nebenwerten und der Kurs reagiert entsprechend. In der Regel hält der Fonds nicht weniger als 0,5 Prozent des Fondsvermögens an einer Aktie, aber nicht mehr als 10 Prozent der freihandelbaren Aktien eines Unternehmens.
Management
Seit Anfang des Jahres ist Odeniyaz Dzhaparov der hauptverantwortliche Manager. Zuvor leitete Sylwia Szczepek den Fonds, die ins Hedged-Fonds Management der Credit Suisse gewechselt ist. Dzhaparov verfügt über eine sechsjährige Investmenterfahrung. 2001 stieg er bei Warburg Invest im Fondsmanagement für Osteuropa ein. Anschließend war er im Fondsmanagement von Griffin Capital Management tätig. Dzhaparov kam im Oktober 2006 zur DWS. Neben dem DWS Osteuropa ist er auch für den DWS Russia verantwortlich. Vor seiner Tätigkeit als Fondsmanager war er sieben Jahre lang als Volkswirt bei der turkmenischen Zentralbank tätig. Dzhaparov studierte Volkswirtschaft und Finanzwesen.
Robert Kalin ist der zweite Mann im fünfköpfigen Team. Auch er ist erst seit Anfang des Jahres mit an Bord. Kalin hat eine 13-jährige Investmenterfahrung. Neben dem Osteuropamandat leitet er den DWS Indien, den DWS Invest Emerging Markets Equities 130/30 und den DWS Europe Convergence Equities.
Von den drei anderen Teammitgliedern sitzt einer in Moskau und ein anderer in Warschau. Das Team übernimmt sowohl die Aktienanalyse als auch die Titelselektion. Sie sind sozusagen Fondsmanager und Aktienanalyst in einer Person. Zusätzlich kann das Fondsmanagement auf das Knowhow des gesamten Osteuropa-Teams mit insgesamt elf Mitgliedern zurückgreifen. (Simon Nöth)
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