Von Jochen Steffens
Es gibt folgende bekannte Regel: Wenn der Ifo-Index dreimal in Folge fällt, kommt es zu einer Rezession. Jetzt ging dieser Index tatsächlich das dritte Mal in Folge zurück, auf einen Wert von 94,8 Punkten im August. Das ist ein Dreijahrestief. Die Nachrichten dazu sind natürlich entsprechend: Von einem dramatischen Einbruch, einer kommenden Rezession und einem düsteren Bild der deutschen Wirtschaft ist die Rede.

Auch in dem Chart ist der massive Einbruch gut zu erkennen. Die Frage ist nur, welche Prognosequalität hat dieser Ifo-Index für die Zukunft. Viele von Ihnen wissen, daß ich den ZEW-Index in den Extremen als Kontraindikator werte. Im Prinzip gilt das – mit Abstrichen – auch für den Ifo-Index.
Sie sehen zum Beispiel, daß der Ifo-Index sein letztes großes Tief im Dezember 2002 ausgebildet hatte. Das bedeutet, drei Monate bevor eine der größten Rallyes im Dax startete. Das letzte Hoch bei 108,6 wurde im April/Mai 2007 ausgebildet, also kurz bevor die Märkte einbrachen. Offenbar scheint auch hier eine antizyklische Betrachtung angeraten.
Das ist auch sinnvoll, denn im Prinzip ist auch der Ifo-Index ein Stimmungsindikator. Zwar werden hier nicht Analysten und Institutionelle befragt, wie beim ZEW Index, aber natürlich lassen sich auch die 7.000 befragten Unternehmer von der aktuellen Stimmung, den Nachrichten und den Kursen beeinflussen. Der hohe Ölpreis, der starke Euro, das schwache Wirtschaftswachstum in Deutschland sind die eigentlichen Gründe für diesen Rückgang im Ifo-Index. Eine Prognose jenseits der Stimmungsanalyse läßt sich meines Erachtens daraus nicht ableiten.
Lediglich wenn die Märkte und der Ifo-Index in unterschiedliche Richtungen laufen, muß man hellhörig werden. Wenn also die Märkte zum Beispiel weiter fallen, der Ifo-Index jedoch über mehrere Monate (mindestens drei) einen Boden ausbildet oder wieder ansteigt, dann kann das ein Zeichen dafür sein, daß eine Trendwende bevorsteht. Genauso umgekehrt, wenn die Märkte noch weiter steigen, der Ifo-Index aber nicht mehr mitkommt oder sogar fällt. (Diese beiden Varianten sind oben im Chart zu erkennen.)
Der Umkehrschluß ist jedoch nicht zulässig. Daß der Ifo-Index jetzt noch nicht wieder angestiegen ist bedeutet nicht, daß es zu keinem Trendwechsel an den Märkten kommen kann. Die Märkte und der Ifo-Index können auch nahezu zeitgleich einen Trendwechsel vollziehen.
Und trotzdem besteht ein entscheidender Unterschied zwischen dem Ifo-Index und dem ZEW-Index. Denn sollte der Ifo-Index längere Zeit so niedrig tendieren oder sogar weiter fallen, hat das tatsächlich Auswirkungen auf die Wirtschaft. Gerade wenn die Erwartungskomponente zurückgeht, heißt das nichts anderes, als daß die Unternehmen vorsichtiger werden. Das wird sich auf die Investitionsbereitschaft auswirken, aber auch auf die Beschäftigungsplanung. So gesehen kann ein niedriger Ifo-Index, also eine schlechte Stimmung bei den Unternehmen, tatsächlich eine zusätzliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation herbeiführen. Zu lange sollte er also nicht weiter fallen.
Jochen Steffens ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters "Steffens Daily". Weitere Informationen finden sie hier.









