Von Folker Hellmeyer
Der Euro notierte am Dienstagmorgen bei 1,3515 US-Dollar, nachdem in der Nacht Höchstkurse im Bereich von 1,3580 gehandelt wurden. Euro/Yen liegt bei 120.60, Dollar/Yen bei 89.25. Eines vorweg: Heute fiel mir die Überschrift einer großen deutschen Tageszeitung ins Auge: „Machen die Griechen den Euro kaputt?“. Diese Schlagzeile hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir die Zeitung gleich gekauft habe. Der Inhalt des Artikels hat mich leider auch nicht schlauer gemacht. Wir haben uns ausführlich mit dieser Themenstellung auseinander gesetzt – die in den Berichten dargelegten Fakten haben weiter Gültigkeit. Eines ist relativ sicher: Das Auseinandersetzen dieser Zeitung mit der Materie ist normalerweise ein ganz guter Contra-Indikator. Wir werden sehen, wie der Euro sich in den nächsten Wochen verhält.
Das britische Pfund hat am Montag massiv verloren. Hintergrund der Schwäche des Pfund ist einerseits das zunehmende Risiko, dass es zu keinen klaren politischen Verhältnissen nach der Wahl kommen könnte. Entscheidender war jedoch die angekündigte Übernahme des asiatischen Teils von AIG durch den britischen Versicherungskonzern Prudential. Prudential hat 25 Milliarden Dollar bar aufzubringen. Entsprechend kam es zu Verwerfungen zu Lasten des Pfund. Aus dieser Konstellation resultierende Dollar-Käufe gegenüber dem Pfund wirkten sich auch belastend auf Euro-Dollar aus.
Die Daten aus der Eurozone waren bezüglich der ableitbaren Konjunkturaussagen erfrischend. So legte der Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe von zuvor 52,4 auf nun 54,2 Punkte zu. Analysten hatten einen Anstieg auf 54,1 Punkte erwartet. Insbesondere der deutsche Index zeigte Stärke. Hier ergab sich ein Anstieg von 53,7 auf 57,2 Punkte. Deutschland ist in diesem Sektor der Wirtschaft in der Eurozone die Konjunkturlokomotive. Frankreichs Index steht bei 54,9 und Italiens Index bei 51,6 Punkten. Die Arbeitslosenrate der Eurozone sollte per Januar von 10,0% auf 10,1% anziehen. Sie tat es aber nicht. Der Vormonatswert wurde von 10,0% auf 9,9% revidiert und es ergab sich im Monatsvergleich ein unverändertes Ergebnis von 9,9%. Damit überrascht der Arbeitsmarkt den zweiten Monat in Folge mit nicht erwarteter Stabilität.
In den USA legten die persönlichen Einkommen per Januar im Monatsvergleich lediglich um 0,1% zu. Die Prognose war bei 0,4% angesiedelt. Darüber hinaus wurde der Vormonatswert von +0,4% auf +0,3% revidiert. Damit ist das Einkommensbild in der Zweimonatsperiode deutlich um 0,4% geringer als vom Markt unterstellt. Im Jahresvergleich setzt sich die Entspannung fort. Hier ergab sich per Januar ein Anstieg der Einkommen um 1,1% nach -0,3% per Dezember. Der private Konsum legte per Januar um 0,3% nach zuvor 0,1% zu. Hier stellte sich ein Anstieg um 3,5% nach zuvor 3,8% ein. In Folge dieser Entwicklung verzeichnete die Sparquote einen Rückgang von zuvor +4,2% auf nun noch +3,3%.
Die Bauausgaben sanken per Januar um -0,6% nach zuvor -1,2%. Die Prognose war bei -0,7 angesiedelt. Damit bleibt es bei Kontraktion in diesem Sektor der US-Wirtschaft. Hier wurde mit dem aktuellen Ergebnis das niedrigste Niveau der Bauausgaben seit Juni 2003 verzeichnet. Per 2009 wurde das Ergebnis auf 937,2 Milliarden Dollar revidiert. Das entsprach einem Rückgang um -12,6% (zuvor -12,4%) auf Jahresbasis.
Der ISM-Index enttäuschte per Februar mit einem unerwartet starken Rückgang von zuvor 58,4 auf 56,5 Punkte. Analysten hatten einen Rückgang auf „nur“ 57,5 Zähler unterstellt. Die Subindizes lieferten ein gemischtes Bild, das insgesamt von Kontraktion im Monatsvergleich überlagert war. Der Auftragsindex sank von 65,9 auf 59,5 Punkte. Der Produktionsindex verlor von 66,2 auf 58,4 Zähler. Dagegen befestigte sich der Beschäftigungsindex von zuvor 53,3 auf 56,1 Punkte. Dennoch bleibt festzuhalten, daß Subindexstände zwischen 55 und 60 Punkte solides Wachstum implizieren. Auch hier wird deutlich, daß der Teil der US-Wirtschaft, der am globalen Wachstum hängt, positiv reüssiert!
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.3430-1.3450 neutralisiert den positiven Bias des Euro.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
Weitere Informationen zu kostenlosen Newslettern der Bremer finden sie hier.
Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.


