Von Wolfgang Braun
Die Verunsicherung an den Börsen hat in den vergangenen Wochen massiv zugenommen. Der Dax hat von seinem Hoch inzwischen rund 10 Prozent eingebüßt. Einige Experten sprechen bereits von einem neuen Crash, der kurz bevorsteht. Und die Argumente sind – zumindest auf den ersten Blick – stichhaltig. Eine Reihe an Wirtschaftsdaten der jüngsten Zeit stellt die vielbeschworene Konjunkturerholung in Frage. In Deutschland haben zuletzt alle harten Fakten wie Auftragseingang, Industrieproduktion oder Einzelhandelsumsatz enttäuscht. Auch aus den USA kamen schlechte Nachrichten: Der Arbeitsmarkt liegt weiter am Boden, im Immobiliensektor geht es nach kurzer Verschnaufpause schon wieder abwärts. Und das trotz der massiven Bemühungen von Notenbanken und Regierungen, die mit Nullzinsen und Finanzspritzen ihr Möglichstes tun, um die Wirtschaft halbwegs auf Trab zu halten.
Wie ein Damoklesschwert hängen zudem die Finanzschwierigkeiten von Griechenland und anderen südeuropäischen EU-Mitgliedern über den Märkten. Wer springt eigentlich ein, wenn ein Staat Pleite geht? Sollte es zu einem Ausfall kommen, wird das sicher mächtige Verwerfungen an den Finanzmärkten geben. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Katastrophe ist derzeit aber noch gering. Ohnehin ist nicht zu verstehen, warum sich die Anleger auf Länder wie Portugal oder Spanien einschießen. Die Verschuldung in den USA ist weit höher. Einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien sind faktisch pleite. Während die EU-Gremien massiv Druck auf Griechenland ausüben, ihren Haushalt zu sanieren, planen die USA für 2010 ein Budgetdefizit von mehr als 10 Prozent (und kaum eine Besserung für 2011). Hier wird eindeutig mit verschiedenem Maß gemessen.
Nicht zu dem Horrorszenario von Staatspleiten passt die Entwicklung bei Edelmetallen. Die hätten von einer bevorstehenden Krise profitieren müssen, sind aber ebenfalls gefallen. Die jüngsten Verluste bei Aktien sind daher wohl nicht der Beginn eines neuen Crashs, sondern eine Reaktion auf den vorangegangenen extremen Kursaufschwung. Der treibende Faktor für steigende Kurse – die hohe Liquidität – ist nach wie vor vorhanden und sollte die Kurse bald stabilisieren.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen finden sie hier.
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