Von Bernd Niquet
Derzeit sitze ich gerade an der Schlusskorrektur meines neuen Buches über die Finanzkrise, das im Frühjahr heraus kommen wird. Plötzlich merke ich dabei, dass ich in manchen Schreibweisen unsicher bin. Bei „Bonds“ und „Fonds“ beispielsweise, ja, natürlich, das schreibt man so: Bonds und Fonds. Doch was ist, wenn man die Einzahl meint? Dann hat man plötzlich einen Bond ohne s, im Gegensatz dazu jedoch einen Fonds mit s.
Doch warum ist das eigentlich so?
Die Antwort darauf fördert Erstaunliches und vor allem Bezeichnendes zu Tage.
Der Begriff „Bond“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet eine Schuldverschreibung oder Obligation. In der Mehrzahl heißt es folglich dann auch „Bonds“.
Doch wer glaubt, das Wort „Fonds“ käme ebenfalls aus dem Englischen, der irrt. Und genau hier liegt folglich auch der Grund für die Asymmetrie in der Schreibweise. Das Wort „Fonds“ sieht zwar englisch aus, doch es gibt es in dieser Sprache gar nicht. Auch „Fond“ als Substantiv existiert nicht, es gibt nur „fond“ als Adjektiv und da bedeutet es liebevoll und zärtlich.
Spätestens an dieser Stelle kommt man auf André Kostolany, der im Zuge der Pleite von Bernard Cornfelds IOS Anfang der 70er Jahre gesagt hat, die IOS-Fonds wären ein Schwindel „Made for Germany“, also nicht „Made in Germany“, sondern tatsächlich „Made for Germany“. Ich weiß nicht, ob der Begriff „Fonds“ in dieser Zeit zum ersten Mal benutzt wurde, aber passen würde es durchaus. Denn dann würde man das, was die Deutschen „zärtlich und liebevoll“ besitzen, einpacken und wegnehmen.
Natürlich wäre auch die Herkunft vom französischen „Fond“ denkbar, was dort „Grund“ bedeutet oder aber auch die Grundlage einer guten Suppe. Vielleicht sogar die Fahrgastzelle im Auto.
Möglicherweise basiert aber auch alles nur auf einem Schreibfehler und man meint bei „Fonds“ das englische „Fund“, dessen Bedeutung exakt dem deutschen „Fonds“ entspricht. Dann wäre es hier vielleicht so wie beim „Double“ im Fußball, dem Gewinn sowohl der Meisterschaft als auch dem Pokal, was man im Englischen selbstverständlich „Dabbel“ ausspricht (wie „Dabbel-U“ beim „W“), welches bei uns in Deutschland jedoch „Dubel“ genannt wird, was wiederum nicht „doppelt“, sondern „der Ersatzschauspieler“ heißt und damit etwas vollkommen anderes und vollkommen Falsches aussagt und die Verwirrung tatsächlich komplett macht.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ AUCH 2010 NOCH FRISCH +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das neue Buch von Bernd Niquet bezieht sich nicht direkt auf die Börse und die Finanzen, sondern packt den Menschen in seiner Gesamtheit. Wie wäre es, fragt er, wenn man plötzlich ganz neu in unsere Welt hinein träte, ohne jede Historie in ihr zu besitzen? Wie würde man die Welt dann wahrnehmen? Und mit wem hätte man Umgang?
Auf jeden Fall stünde man wohl ziemlich alleine da, schwämme gegen den Strom und bewegte sich gegen den Strich – ganz so also, wie es auch dem erfolgreichen antizyklisch orientierten Anleger geht.
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