Von Wolfgang Braun
Viele Experten gehen davon aus, daß die Wirtschaft 2010 in einem gemäßigten Tempo wachsen wird und die Zinsen gleichzeitig auf sehr niedrigem Niveau bleiben. Solides Wirtschaftswachstum bei niedrigen Zinsen stellen ein optimales Umfeld für die Aktienmärkte dar – und so erklären sich auch die optimistischen Ausblicke der meisten Finanzhäuser, die den Börsen im Schnitt ein Potential von rund 10 Prozent in Aussicht stellen.
Die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft sind aber groß wie nie, Prognosen daher mit enormer Unsicherheit behaftet. Und es sind weit ungünstigere Szenarien denkbar. Versäumen die Notenbanken etwa den richtigen Zeitpunkt, um die gewaltigen Geldsummen aus dem Markt zu ziehen, droht ein Anstieg der Inflation. Die Zinsen müßten dann deutlich anziehen, so daß sich für die Investoren attraktive Anlagealternativen böten. Das dürfte den Boom an den ohnehin eher teuren Aktienmärkten schnell beenden. Ein zu frühes Anziehen der Zinsschraube könnte das zarte Pflänzchen der Erholung andererseits im Keim ersticken, zumal die Konjunkturhilfen der Regierungen zunehmend auslaufen. Verhältnisse, wie wir sie seit fast zwei Jahrzehnten in Japan haben, sind auch für Europa denkbar. Deflationäre Tendenzen gibt es derzeit in einigen Bereichen (man denke nur an die hohen Rabatte im Autosektor oder den Preiskampf im Einzelhandel). Man muß nur die Entwicklung des Nikkei-Index seit 1990 betrachten und erkennt, daß ein solches Szenario Gift für die Börsen ist.
Unter diesen Umständen sind wir skeptisch, ob der Optimismus vieler Experten angebracht ist. Der Jahresbeginn dürfte noch von der aktuell guten Stimmung getragen werden. Im weiteren Verlauf 2010 könnten aber zunehmend Zweifel am selbsttragenden Konjunkturaufschwung aufkommen. Wir erwarten daher während des Gesamtjahres allenfalls eine Seitwärtsbewegung an den Börsen mit Risiko nach unten. Sehr gute Anlagealternativen bleiben Edelmetalle.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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