Von Bernd Niquet
Es ist eine der Sternstunden der Menschheit, dass sich die Führer aller wichtigen Länder der Welt zu einer großen Konferenz treffen, um eine lebensbedrohliche Situation der Welt zu bereden und eine Lösung zu finden. Da gibt es plötzlich keine Kleinstaaterei mehr, da vertritt zwar jeder seine Interessen, doch da ist das übergeordnete Ziel klar und deutlich. Wann hat es so etwas jemals vorher schon gegeben? Es ist wirklich eine Sternstunde.
Doch hätte man sie nicht, bitte schön, auf einen wirklich wichtigen und durch Erfahrung gesicherten Gegenstand richten können?
Die Menschen bekriegen sich weltweit, schneiden sich die Genitalien ab, nehmen sich gegenseitig das Essen und die Lebensgrundlagen weg, doch unser Hauptproblem besteht plötzlich darin, dass es auf der Erde wärmer wird. Psychologisch betrachtet handelt es sich hierbei um einen klaren Fall von Verschiebung. Was wir derzeit machen, ist in etwa das gleiche, als erkläre ein Mörder seinen eingewachsenen Fußnagel zum Mittelpunkt der Erde.
In den 70er Jahren vertrat man mit der gleichen Sicherheit wie heute die Klimakatastrophe das Heranziehen einer neuen Eiszeit. Und heute ist keinesfalls geklärt, ob erstens die Erwärmung der Erde tatsächlich passiert und zweitens, ob die Gründe dafür vom Menschen verursacht sind oder andere Gründe, wie beispielsweise die schwankende Sonnenaktivität, haben.
Die Physik kann nicht einmal die Ausbreitung eines Stoffes in der Atmosphäre vollständig erklären, präsentiert uns jetzt jedoch gleich ein ganzes Modell, bei dem man die Temperaturentwicklung auf Jahrzehnte hinweg prognostizieren kann. Wir wissen nicht einmal, wie das Wetter morgen wird, aber haargenau, welche Temperatur im Jahr 2050 herrschen wird. Die Aussage „Wir müssen den Temperaturanstieg auf 2 Grad begrenzen“, ist sicherlich eine der kühnsten Anmaßung von Wissen, die es in der Geschichte gegeben hat.
Wir können nicht einmal unseren Staatshaushalt in Griff bekommen, den Verkauf von Drogen an unsere Kinder stoppen und das Morden beenden, doch wir bilden uns ein, den Weltraum zu beherrschen. Das ist der ungezügelte Hochmut von Technokraten. Und zudem noch schizophren, denn zu gleicher Zeit sind wir jetzt die bösen Verursacher wie die guten Heilenden.
Wie ein Wirtschaftssystem, dass ausschließlich auf Wachstum und Produktion ausgerichtet ist, in dem sogar Geländewagen steuerlich gefördert werden, um nur ein Beispiel zu nennen, mit Verzicht in Einklang zu bringen ist, bleibt indessen völlig ungeklärt. Doch darüber müsste man sich unterhalten. Das freilich will niemand, der Verbraucher nicht, der Produzent nicht und die Politik schon gar nicht. Daher bleibt Kopenhagen nichts anderes als eine Zirkus-Vorstellung.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ DIE BUCH-NEUERSCHEINUNG 2009 +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das neue Buch von Bernd Niquet bezieht sich nicht direkt auf die Börse und die Finanzen, sondern packt den Menschen in seiner Gesamtheit. Wie wäre es, fragt er, wenn man plötzlich ganz neu in unsere Welt hinein träte, ohne jede Historie in ihr zu besitzen? Wie würde man die Welt dann wahrnehmen? Und mit wem hätte man Umgang?
Auf jeden Fall stünde man wohl ziemlich alleine da, schwämme gegen den Strom und bewegte sich gegen den Strich – ganz so also, wie es auch dem erfolgreichen antizyklisch orientierten Anleger geht.
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