(Morningstar) Das Management des auf amerikanische Wachstumswerte spezialisierten Spängler Long Term Value Trust zählt wohl zu den penibelsten seiner Art. Die Anforderungen an Unternehmen sind sehr hoch. Es muss sich über einen 10-Jahres-Horizont durch eine jährliche Eigenkapitalrendite (Return on Equity) von 15% behaupten und mit mindestens 1 Milliarde US-Dollar börsenkapitalisiert sein, um in die engere Auswahl zu gelangen. Der Return on Equity misst den Jahresgewinn eines Unternehmens im Verhältnis zum Eigenkapital und liefert Auskunft, ob ein Unternehmen rentabel ist oder nicht.
Neben der Eigenkapitalrendite sind solide Bilanzen, langjährige Managementerfahrung und das Ergebnis eines DCF-Modells (Discounted Cashflow) ausschlaggebend. Ein DCF-Modell berechnet den Gegenwartswert zukünftiger Cashflows, wodurch der faire Wert eines Unternehmens bestimmt werden soll. Für diese Berechnung wird ein bestimmter Zinssatz unterstellt. Je höher dieser Diskontierungssatz, desto niedriger ist der geschätzte Unternehmenswert. Erst kürzlich hat das Management die Zinssätze erhöht und damit die Messlatte höher gelegt.
Typisch für den Fonds ist seine starke Konzentration auf nur wenige Aktien. Im aktuellen Portfolio befinden sich nur 28 Unternehmen, die überwiegend in der Standardwerte Growth Ecke der Morningstar Style Box angesiedelt sind. Nur zwei Unternehmen kommen auf eine Gewichtung von unter 2%, was den Fonds anfällig für unternehmensspezifische Risiken macht. Der Fonds, der den S&P 500 als Benchmark hat, fokussiert sich auf drei Branchen: Industriewerte wie den Mischkonzern General Electric (22% im Fonds vs. 10% im Index), nicht-zyklische Konsumwerte wie den Getränkehersteller Coca-Cola (19% vs. 8%) und Gesundheitswerte wie das Medizintechnikunternehmen Stryker (27% vs. 13%). Letzteres ist mit 5,6% auch der größte Wert im Portfolio. Nach Energiewerten sucht man vergeblich. Laut Manager Robert Millen gibt es einfach keine Energieaktien, die den hohen Anforderungen genügen.
Das Salzburger Bankhaus Spängler tritt bei diesem Fonds lediglich als Initiator auf. Gemanagt wird der Long Term Value Trust vom amerikanischen Beraterhaus Jensen. Der Fonds ist ein Spiegelfonds des amerikanischen „The Jensen Portfolio“, das in den USA bereits eine 16-jährige Historie hat. Den Spängler Long Term Value Trust verwaltet Jensen aber erst seit März 2007.
In einer Baisse zeigt der Fonds Stabilität, weil die Bewertungen moderat und die ausgewählten Unternehmen weniger anfällig für Marktbewegungen sind. Bei einer Börsenrallye hinkt der Fonds den Märkten allerdings hinterher. So konnte er im Baissejahr 2001 ein Plus von rund 5% erzielen, während Vergleichsfonds im Durchschnitt 14% verloren. Im Haussejahr 2005 erwirtschaftete er nur 13%, während Vergleichsfonds 21% einfuhren.
Wegen der pedantischen Titelselektion erwarten wir keine großen Veränderungen im Portfolio. Tatsächlich hat das Management zwischen Februar und Juni 2008 keinen einzigen Titel hinzugekauft. Die geringe Aktivität steht für das Credo der Manager, es langsam anzugehen. Aktien werden über viele Jahre gehalten, weshalb die Portfolio-Umschlagsrate oft nur im einstelligen Bereich liegt. Jensen will vor einer Entscheidung das Unternehmen bis ins Detail kennen.
Wir mögen den Fonds wegen seines restriktiven Investmentprozesses und der geringen Umschlagshäufigkeit. Der Spängler Long Term Value Trust eignet sich hervorragend als Basisinvestment für einen langfristig orientierten Anleger mit einem Hang zu US-Aktien. Die Verwaltungsgebühr von 1,75% jährlich könnte aus unserer Sicht niedriger sein, da bei vergleichbaren Fonds im Durchschnitt nur 1,3% pro Jahr anfallen.
Management
Der Fonds wird vom amerikanischen Berater Jensen Investment Management aus Lake Oswego in Oregon verwaltet und ist ein Spiegelfonds der US-Version „The Jensen Portfolio“. Initiator ist das Salzburger Bankhaus Carl Spängler, dass sich auf den Vertrieb und die Administration extern gemanagter Fonds spezialisiert. Spängler verwaltet 4 Milliarden Euro und bietet rund 120 Publikums- und Spezialfonds an. Der Spängler Long Term Value Trust wurde 1991 aufgelegt und vom US-Advisor W.P. Stewart von den Bermuda-Inseln aus verwaltet. Im März 2007 ging das Mandat an Jensen Investment Management über. Das Investmentteam setzt sich aus drei Portfoliomanagern und vier Analysten zusammen. Portfoliomanager sind Robert Zagunis (seit 1992), Robert Millen (seit 2000) und Eric Schönstein (seit 2004). Die beiden Analysten Robert McIver und Kurt Havnaer haben Mitspracherecht bei der Aktienauswahl. Jensen Investment Management besteht aus insgesamt 18 Mitarbeitern, von denen sieben den Status eines Partners haben. Jensen bietet nur einen Fonds an und hat derzeit 2,7 Milliarden US-Dollar an Assets under Management. Das Management ist mit einem Teil seines Privatvermögens im „The Jensen Portfolio“ investiert.
Strategie
Jensen Investment Management sucht aus einem Universum von rund 10.000 US-Aktien Unternehmen heraus, die über 10 Jahre eine jährliche Eigenkapitalrendite von mindestens 15% erzielen konnten. Diese Vorauswahl reduziert die Bandbreite auf 100-125 Unternehmen. Anschließend wird mit einem DCF-Modell der faire Wert einer Firma bestimmt. Ebenso wichtig sind solide Bilanzen und Manager mit langjähriger Erfahrung. Um schließlich in das Portfolio aufgenommen zu werden, muss eine Aktie mit einem Abschlag zu dem von Jensen Investment errechneten fairen Wert an der Börse gehandelt werden. Für die Höhe des Discounts hat Jensen für jede Branche eine andere Vorstellung. Das endgültige Portfolio umfasst zwischen 25 und 30 Unternehmen. Wenn die jährliche Eigenkapitalrendite eines Unternehmens unter 15% fällt oder sich die Wachstumsaussichten verschlechtern, wird die Aktie verkauft. (Greg Carlson und Alexander Ehmann)
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