Von Wolfgang Braun
Die Wirtschaftsindikatoren haben sich in den vergangenen Monaten von ihren Tiefs zum großen Teil deutlich erholt. So waren die ZEW-Konjunkturerwartungen im Juli 2008 mit -63,9 Zählern auf den tiefsten Stand seit Erhebung gefallen. Inzwischen liegen sie mit 51,1 Zählern wieder klar über ihrem langjährigen Mittelwert. Das Ifo-Geschäftsklima ist historisch zwar nach wie vor auf einem moderaten Niveau, hat sich aber in den vergangenen acht Monaten kontinuierlich verbessert. Auch die Einkaufsmanagerindizes notieren (außer dem ISM-Index für den Service-Sektor in den USA) wieder in einem Bereich, der eine wirtschaftliche Expansion signalisiert. Dazu haben die Auftragseingänge für die deutsche Industrie von März bis September sieben Monate in Folge zugelegt.
Leider gibt es zwei Haken an dieser positiven Entwicklung: Zum einen haben die Aktienmärkte die Verbesserung schon eingepreist. So notiert der Dax fast 60 Prozent über seinem Tiefpunkt, den er im März mit 3.589 Zählern markierte. Zudem ist die entscheidende Frage, wie dauerhaft die wirtschaftliche Erholung ausfällt. Wenn es den Regierungen mit ihren Milliardenprogrammen und den Notenbanken mit den Zinsen nahe der Null-Linie gelingt, einen nachhaltigen Aufschwung in Gang zu bringen, gibt es durchaus Chancen, daß der Aufwärtstrend an den Börsen intakt bleibt (wenngleich unterbrochen durch Korrekturen). Falls die Liquiditätsschwemme aber nur einen kurzfristigen Schub bringt, drohen den Börsen erhebliche Rückschläge.
Bedenklich stimmen in diesem Zusammenhang die jüngsten Auftragseingänge in der deutschen Industrie. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie gingen die Bestellungen im November um 2,1 Prozent zurück und lagen damit weit unter den Markterwartungen. Vor allem im Fahrzeugsektor gab es einen kräftigen Einbruch. In diesem Zusammenhang möchten wir noch einmal auf die detaillierte Betrachtung der US-BIP-Entwicklung im dritten Quartal hinweisen. Schon hier war aufgefallen, daß der Aufschwung fast ausschließlich auf staatlichen Stützungsmaßnahmen basierte.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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