Von Wolfgang Braun
Das Eingeständnis Dubais, seine Schulden nicht mehr fristgerecht bedienen zu können, hat an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche wie eine Bombe eingeschlagen. Das Eingeständnis kam überraschend, galten die arabischen Scheichs dank ihrer Öl-Milliarden bislang doch als zuverlässige Gläubiger. Nach kurzer Bedenkzeit gingen die Börsen aber zum Alltagsgeschäft über, die Kurse nahmen ihren Aufwärtstrend wieder auf. Zu stark ist derzeit einfach der Anlagenotstand, dass eine vergleichsweise kleine Krise den Markt nachhaltig unter Druck bringen könnte.
Für sich genommen ist Dubai kein großes Problem. Das Volumen der ausstehenden Kredite beläuft sich auf rund 80 Milliarden US-Dollar. Ein Betrag, der zu vernachlässigen ist (bei der Deutschen Bank würde man wohl von Peanuts sprechen), wenn man die Billionen bedenkt, die bei Immobilien in USA und Europa versenkt wurden. Dazu stehen hinter Dubai die reichen Brüder aus Abu Dhabi und den anderen angeschlossenen Emiraten. Größere Ausfälle für westliche Banken sind damit nicht zu erwarten. Trotzdem gibt der Fall Dubai zu denken, zeigt er doch das Ausmaß der Kreditexzesse, die in den vergangenen Jahren über den Globus gingen. Wenn selbst steinreiche Ölscheichs unter die Räder kommen, ist das ein deutliches Warnsignal. Immer nur auf Pump zu leben, geht nicht. In den nächsten Jahren dürfte auf die Finanzmärkte daher eine Lawine an schmerzhaften Kreditausfällen zukommen. Experten haben bereits die Osteuropäischen Länder, aber mit Griechenland, Italien oder gar Spanien auch Länder der EU als potentielle Pleitekandidaten ausgemacht. Ausfälle in dieser Größenordnung wären dann definitiv keine Peanuts mehr und würden wohl zu schweren Verwerfungen an den Finanzmärkten führen.
Die Finanzkrise mag angesichts der seit Monaten steigenden Aktienkurse zwar aus dem Gedächtnis vieler Anleger verschwunden sein. Die jüngste Entwicklung zeigt aber, dass die Kreditexzesse nicht einfach zu lösen sind, sondern eine jahrelange Konsolidierung benötigen. Das sind keine guten Perspektiven für die langfristige Börsenentwicklung.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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