Von Wolfgang Braun
Gerne wird die laufende Börsenrallye mit der Entwicklung im Jahr 2003 verglichen. Dazu muß man nur die Charts um sechs Jahre verschoben übereinander legen und die Welt sieht rosarot aus. Demnach sollen dann die Kurse bis weit in die nächste Dekade nach oben schießen und neue Allzeithochs im Dax markiert werden. Pferdefuß bei dieser Argumentation: Die fundamentalen Daten bleiben unberücksichtigt. Die aktuelle Situation ist mit den Problemen von damals nicht vergleichbar.
So stellte 2003 das Ende einer normalen Rezession dar, die im Rückblick als milde bezeichnet werden muß. Dieser Konjunkturschwäche schloß sich ein Wachstumsschub an, der durch die steigenden Häuserpreise in den USA ausgelöst wurde. Natürlich ist eine Asset-Blase im Zuge der Rekordtiefs bei den Zinsen auch heute möglich. Ähnliche Wohlstandseffekte wie beim Immobilienboom sind aber kaum zu erwarten. Das Potential dazu hätte von der Größe nur der Anleihesektor, der aber schon jetzt hoch bewertet ist. Aktien- und Edelmetallmärkte sind zu klein, um breite Bevölkerungsschichten reich zu machen. Vielmehr sind weitere Verwerfungen aus der Bankenkrise zu erwarten: Experten gehen davon aus, daß die europäischen Finanzhäuser gerade einmal die Hälfte ihrer Wackelpositionen abgeschrieben haben. Auch die Bewertung spricht gegen eine anhaltende Aufwärtsbewegung: Im Gegensatz zu 2003 sind viele Aktien heute schon wieder recht teuer.
Wer die Chartvergleiche überhaupt nicht lassen kann, sollte sich einmal die Entwicklung des Nikkei nach 1990 anschauen. Hier folgten nach scharfen Einbrüchen auch immer wieder Erholungen, die den Index um bis zu 60 Prozent in die Höhe hievten. Daran schloß sich dann der nächste Teil der Abwärtsspirale an. Der japanische Leitindex steht derzeit mehr als 75 Prozent unter seinem Hoch von 1990. Wer dennoch an ein Deja vu aus 2003 glauben will, sollte nicht in Euphorie verfallen: Bis Mitte 2004 tat sich der Dax schwer und büßte rund 10 Prozent an Wert ein, ehe sich der Aufwärtstrend fortsetzte.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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