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Vorsicht Anleihen!

Donnerstag, 15. August 2013 um 10:18

Von Thomas Grüner
Die Entscheidung der EZB, Staatsanleihen der „Problemländer“ aufzukaufen, ist nicht ohne Risiko, unpopulär und letztendlich unvermeidlich. Auch wenn die EZB dem Vorbild der US-Notenbank FED folgen will, so existiert doch ein grundlegender Unterschied: Während die FED ausschließlich US-Anleihen mit hoher Bonität aufkauft, betätigt sich die EZB fortwährend als „Schrott-Staubsauger“. Sollten einzelne PIIGS-Staaten letztendlich doch in eine unkontrollierte Staatspleite schlittern, würde dies enorme zu realisierende Kursverluste der EZB nach sich ziehen, die durch die einzelnen Euro-Länder ausgeglichen werden müssten.

Unvermeidlich sind diese Maßnahmen deshalb, weil sich die EZB „gezwungen“ sieht, den Druck von den PIIGS-Staaten zu nehmen – und zumindest ein verlängertes Zeitfenster schafft, in dem die strukturellen Probleme der Eurokrise bekämpft werden können. Was für die Anleger bleibt: Ein auf absehbare Zeit anhaltendes Niedrigzinsumfeld.

Geändertes Umfeld, unterschätzte Risiken

Attraktive Angebote auf dem Anleihemarkt? Dafür genügt es, die Zeit um wenige Jahre zurückzudrehen. Neu aufgelegte Anleihen mit Couponzahlungen von 5 Prozent und einer effektiven Rendite von rund 4 Prozent sind problemlos möglich gewesen – selbst bei Emittenten mit Top-Bonität. Der Einstieg in diese Anleihen ist zum heutigen Zeitpunkt allerdings deutlich unattraktiver geworden: Die Notierungen befinden sich aktuell größtenteils 10 Prozent über Emissionskurs. Bis zur Endfälligkeit winkt also ein garantierter Kursverlust, den die Couponzahlungen – auf die zusätzlich Steuern anfallen – nur mühsam kompensieren können. Eine effektive Rendite oberhalb der Inflationsrate ist dadurch größtenteils nicht mehr möglich, teilweise ist die Nachsteuerrendite sogar negativ. Nachrechnen lohnt sich!

Neu emittierte Anleihen vergleichbarer Bonität belegen diesen Wandel: Die Coupons bewegen sich mittlerweile auf einem Niveau von 2 Prozent. Attraktive Alternativen? Mittelstandsanleihen locken mit hohen Coupons, ebenso wie Anleihen, die in Fremdwährungen notieren. Bedenken Sie jedoch, dass Sie auch bei Mittelstandsanleihen nichts anderes als ein Kreditgeber sind: Zu Konditionen, die die Banken in dieser Form nicht akzeptieren würden! Ebenso wird das Währungsrisiko – unabhängig vom Anlagehorizont – tendenziell unterschätzt. Eine Rendite ohne Risiko existiert in diesem Umfeld nicht!

Zinsanstieg – was nun?

Das Ende der expansiven Geldpolitik droht. Im Fokus steht vor allem der Aktienmarkt: Große Verwerfungen werden befürchtet, das Ende der „liquiditätsgetriebenen Hausse“ scheint eingeläutet. Dabei droht jedoch primär dem Anleihemarkt Ungemach! Ein Zinsanstieg würde vor allem Anleihen mit langer Laufzeit negativ beeinflussen. Steigen die Renditen um 100 Basispunkte innerhalb eines Jahres an – keinesfalls eine abwegige Schätzung – dann verliert eine US-Staatsanleihe mit 10-jähriger Laufzeit bereits 5,69 Prozent an Wert.

Ist ein Ausstieg aus Anleihen daher ratsam? Fakt ist: Die Forderung, „Gewinne mitzunehmen“, wird von Anlegern im Aktienmarkt stets gefordert, im Anleihemarkt selbst allerdings kaum wahrgenommen. Es herrscht eine außergewöhnliche Situation, in der Umdenken gefragt ist.

Fazit: Neuemissionen werfen kaum noch etwas ab. Sobald die Notenbanken ihren geldpolitischen Kurs tatsächlich ändern, drohen weitere Risiken. Die meisten Anleiheinvestoren sitzen auf – oft noch steuerfreien – Kursgewinnen. Die Gelegenheit ist günstig, diese Gewinne zu versilbern. Ich wiederhole mich gerne: Nachrechnen lohnt sich!


Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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