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BRIC-Staaten sind in der Realität angekommen

Donnerstag, 25. Juli 2013 um 10:28

Von Thomas Grüner
Der US-Aktienmarkt ist das Zugpferd des laufenden Bullenmarkts – ein Trend, der sich auch im bisherigen Jahresverlauf fortgesetzt hat. Die wichtigsten US-Leitindizes erzielten bereits im ersten Halbjahr des Jahres 2013 zweistellige Zuwachsraten – allen Sorgen um die Fiskalklippe, der US-Staatsverschuldung und den Diskussionen um ein mögliches Ende der expansiven Geldpolitik der FED zum Trotz. Das momentane „Gegenstück“ im globalen Vergleich: Die Emerging Markets. Während die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) noch vor einigen Jahren durch zweistellige BIP-Zuwachsraten und spektakuläre Wertentwicklungen an den Aktienmärkten die Anleger euphorisierten, sind die Aktien aus den Emerging Markets für ein global aufgestelltes Depot derzeit eher Bremsklotz als Renditegarant. Begleitet wird diese Entwicklung von vielfältigen Sorgen und düsteren Zukunftsszenarien. Die Angst vor den Folgen für die weltweite Wirtschaft durch das verlangsamte Wachstum der Schwellenländer – insbesondere China – ist allgegenwärtig. Dramatisierung oder eine ernsthafte Gefahr?

China kämpft

Obwohl das BIP in China zum Ende des zweiten Quartals auf Jahressicht um 7,5 Prozent zulegen konnte, ist im Vergleich zu vorangegangenen Quartalen ein moderater Rückgang der Wachstumsraten zu beobachten. Einige vermuten eine generelle Konjunkturschwäche, andere machen Strukturreformen dafür verantwortlich. Die Zeiten der zweistelligen Zuwachsraten mögen zwar vorbei sein, doch der Begriff „verlangsamtes Wachstum“ verleitet zu Fehlinterpretationen. Das prozentuale Wachstum aus dem Jahr 2012 mit 7,8 Prozent kann möglicherweise nicht wiederholt werden – absolut betrachtet ist dennoch „Wachstum“ zu beobachten. Wird das Jahresziel der Regierung erreicht, steigt das BIP um 339 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2012 waren es „nur“ 327 Milliarden US-Dollar. Eine sinkende Wachstumsrate ist kein Zeichen von Schwäche! Dies ist einfach nur der schnell wachsenden Bemessungsgrundlage geschuldet. Die chinesische Wirtschaft wächst im globalen Vergleich immer noch überproportional schnell! China wird in den kommenden Jahren betrachtet weiterhin einen erheblichen Beitrag zum weltweiten BIP-Wachstum leisten – absolut betrachtet sogar deutlich mehr als zu vergangenen Zeiten mit zweistelligen Zuwachsraten. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken.

Keine Entwicklung ohne Probleme

In den kommenden Jahren werden die BRIC-Staaten auf breiter Ebene mit neuen, wirtschaftlichen Problemstellungen konfrontiert sein – schlicht und einfach aufgrund ihrer wachsenden Größe. Wirtschaftswachstum war noch niemals ein Selbstläufer. Das chinesische Bankensystem steht unter Druck. Reformen zu einem marktorientierteren System sind unumgänglich. Zudem sind viele Aktionäre enttäuscht, weil sich das BIP-Wachstum der vergangenen Jahre in keinster Weise in den Aktienkursen zeigt. In Brasilien tendiert der Staat dazu, in die Unternehmenspolitik einzugreifen, der russische Aktienmarkt ist anfällig für politische Störfeuer, Indien versinkt in der Bürokratie – keine unüblichen Probleme für Länder, die sich noch „entwickeln“ müssen. Nicht zu viel erwarten – die Entwicklung der Schwellenländer befindet sich nun mal in einer fortgeschrittenen Phase, in der Geduld gefragt ist.

Fazit: Auch wenn sich das Wachstum in den Emerging Markets prozentual verlangsamt und die Entwicklung im reiferen Stadium nicht problemlos abläuft: Die „Gefahren“ und negativen Auswirkungen auf die weltweite Wirtschaft werden überschätzt.


Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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