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Volatilität heißt Normalität

Donnerstag, 11. Juli 2013 um 08:15

Von Thomas Grüner
Nie ruhige Zeiten am Aktienmarkt! Auch das Jahr 2013 war im bisherigen Verlauf keinesfalls frei von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Sorgen. Trotz einer per Saldo positiven Entwicklung der Aktienmärkte war das laufende Jahr für viele Anleger geprägt von vielfältigen Ängsten. Die "gefühlte" Volatilität ist mal wieder höher als die tatsächliche Schwankungsbreite. Der deutsche Aktienindex Dax ist im laufenden Jahr ein typisches Beispiel hierfür: Der Kampf mit der 8.000 Punkte-Marke, das Erreichen eines neuen Allzeithochs und die anschließende Korrektur um mehr als 1.000 Punkte mag dem einen oder anderen wie eine Achterbahnfahrt vorkommen. Prozentual betrachtet ist die Schwankungsbreite jedoch im Vergleich zu vorangegangenen Jahren äußerst gering. Das Niveau zu Jahresbeginn wurde im Tiefpunkt gerade mal um etwa 2 Prozent unterschritten, auch die neue Rekordmarke von 8.556 Punkten bedeutete einen Zuwachs von "nur" rund 12 Prozent. Ein geradezu ungewöhnlich moderates erstes Halbjahr! 

Unterschätztes Potential

Anleger unterschätzen generell das Potential der Aktienmärkte. Der Dax stieg in positiven Jahren seit 1980 im Durchschnitt um 25 Prozent! Auch der sehr breit gefasste US-Index S&P 500 stieg in positiven Jahren noch durchschnittlich um 17 Prozent. Selbst in den äußerst positiven Jahren gehörten Korrekturen und Schwankungen zur Tagesordnung. Diese sind in jeder Aufwärtsphase zwangsläufig eingestreut und sorgen immer wieder dafür, dass die Erwartungen der Privatanleger und Banken gedämpft werden. Im Jahr 2012 stand für den Dax per Saldo ein Zuwachs von 29 Prozent zu Buche, im Vergleich zum damaligen Jahresbeginn notierte der Index keinen einzigen Handelstag im Minus. Rückblickend ein hervorragendes Ergebnis. Die Korrektur im zweiten Quartal veranlasste die Anleger allerdings – trotz eines immer noch bemerkenswerten Zuwachses von rund 10 Prozent im ersten Halbjahr – für das zweite Halbjahr lediglich einen Anstieg von rund 3 Prozent zu erwarten. Die Situation im Jahr 2013 stellt sich im bisherigen Verlauf ähnlich dar. In einem skeptischen, nur mit zaghaftem Optimismus versehenen Umfeld ist das positive Überraschungspotential immer noch in hohem Maße vorhanden. Für die aktualisierten Prognosen der Banken und Privatanleger zeichnen sich auch in diesem Jahr überraschende Ergebnisse ab. Eine detaillierte Auswertung ist in unserem in Kürze erscheinenden Update der Jahresprognose 2013 erhältlich.

Primär rufen Schwankungen Angst und Nervosität bei Anlegern hervor. Die vollständige Transparenz eines aus Einzelaktien bestehenden Portfolios sorgt für Unsicherheit. Die gesamte Bandbreite der Entwicklung einzelner Werte wird offengelegt, während bei Aktienfonds oder geschlossenen Produkten der Fokus ausschließlich auf die gesamte Wertentwicklung gelegt wird. So entsteht der Eindruck einer geringeren Schwankungsbreite. Verfallen Sie dieser Illusion nicht – ein breit diversifiziertes Portfolio enthält stets Werte mit einer unter- aber auch überdurchschnittlichen Performance. Letztendlich ist der Schlüssel zum Erfolg jedoch, die gegebene Volatilität zu antizipieren und vor allem zu akzeptieren.

Fazit: Die objektive Einschätzung der Volatilität fällt vielen Anlegern schwer. Volatilität ist nicht pauschal mit "Verlust" oder "Risiko" gleichzusetzen, sondern generiert im positiven Sinne eine gewisse Dynamik. Prinzipiell ist genau darin der historische Renditevorteil der Aktienmärkte gegenüber anderen Anlageklassen begründet.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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