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Ist das Niedrigzinsumfeld bald Vergangenheit?

Mittwoch, 19. Juni 2013 um 16:18

Von Thomas Grüner
In den vergangenen Wochen war an den Anleihemärkten ein Zinsanstieg auf breiter Front zu beobachten: Deutsche Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit erreichten zwischenzeitlich eine Notierung im Bereich von 1,60 % – prozentual betrachtet ein beachtlicher Anstieg gegenüber dem Tiefpunkt von 1,19 %, welcher im Mai 2013 erreicht wurde. Ebenso stiegen US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit wieder über die Marke von 2 %. Auch Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien konnten sich dieser Gegenbewegung nicht entziehen.

Hängen Sie das nicht so hoch. Im Vorfeld fand eine signifikante Abwärtsbewegung statt, die Spanien und Italien – nahezu unbemerkt – in sicheres Fahrwasser zurückbrachte. Zwar sind die Zinsen französischer Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit wieder über 2 % gestiegen, doch der Spread zu deutschen Staatsanleihen beträgt seit geraumer Zeit lediglich rund 0,50 %. Die Sorge, dass sich Frankreich den kriselnden Peripheriestaaten annähern würde, war unbegründet!

Kleine Änderungen, große Wirkung

Im Allgemeinen sind die Zinsanstiege prozentual betrachtet zwar immens, die Zinsen sind im historischen Vergleich jedoch immer noch äußerst niedrig. Zu Beginn der 90er Jahre notierte der Zins für Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit im Bereich von 9 % bis 10 % – von diesem Niveau sind selbst die vermeintlichen „Pleitekandidaten“ Spanien und Italien weit entfernt. Im Rahmen der normalen Volatilität sind Gegenbewegungen dieser Art jederzeit möglich und geben keinen Hinweis auf eine grundlegende Abkehr vom Niedrigzinsumfeld der vergangenen Jahre.

Die Unruhe unter den Anleiheinvestoren ist keinesfalls unbegründet. Steigende Zinsen sorgen für fallende Anleihekurse. Aufgrund des extrem niedrigen Niveaus genügt bereits eine kleine Aufwärtsbewegung der Renditen, um gewaltige Auswirkungen auf den Anleihekurs zu haben. Ein Rechenbeispiel: Steigen die Renditen um 100 Basispunkte innerhalb eines Jahres an – keinesfalls eine abwegige Schätzung – dann verliert eine US-Staatsanleihe mit 10-jähriger Laufzeit 5,69 % an Wert. Dieses Zinsänderungsrisiko verstärkt sich mit erhöhter Laufzeit: Für 30-jährige Staatsanleihen beträgt die Wertminderung enorme 13,93 %.

Kreditvergabe und Inflation

Das Wachstum der Kreditvergabe verläuft trotz wirtschaftlicher Expansion eher schleppend. Dies ist allerdings nicht den höheren Zinsen zuzuschreiben, sondern der flachen Zinsstrukturkurve. Die Zentralbanken drücken durch ihre Anleihekäufe die Zinsen am langen Ende nach unten und verringern dadurch die Margen der Banken. Da die Zinsen am kurzen Ende nahe Null „fixiert“ sind, würde ein Anstieg der Zinsen am langen Ende die Kreditvergabe für Banken wieder attraktiver machen.

Bezüglich Inflation ist es korrekt, dass höhere Zinsen zukünftige Inflationserwartungen der Märkte reflektieren können. Zu diesem Zeitpunkt ist allerdings kein besorgniserregendes Signal zu beobachten. Vor nicht allzu langer Zeit dominierten noch Deflationsängste – ein erheblich negativeres Szenario. Die Zentralbanken werden ihre deflationären Bemühungen vorerst nicht einstellen, nicht zuletzt da die Arbeitslosenzahlen immer noch zu hoch sind.

Fazit: Auch auf dem Anleihemarkt gehört eine gewisse Schwankungsbreite zur Normalität. Der jüngste Renditeanstieg ist nominal betrachtet eher moderater Natur. Ein weiterer Zinsanstieg sollte trotzdem aufmerksam verfolgt werden. Erhebliche Kursverluste an den Anleihemärkten würden auch für die globalen Aktienmärkte Turbulenzen mit sich bringen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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