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Die Aktie zählt, nicht der Index

Mittwoch, 8. Mai 2013 um 16:13

Von Thomas Grüner
Sell in May and go away – eine Börsenweisheit, die zwar nicht durch historische Daten belegt werden kann, sich aber dennoch großer Beliebtheit bei den Anlegern erfreut. Nicht zuletzt dadurch ist das neue Allzeithoch, das der Dax im Mai 2013 erreicht hat, für viele kein Anlass zur Euphorie, sondern eher zur Sorge. Steht die Acht beim Dax vorne, ist Gefahr im Verzug – das haben die empfindlichen Kursrückgänge im unmittelbaren Anschluss an die letzten beiden Hochpunkte die Anleger vermeintlich gelehrt.

Aber: Die Ausgangslage ist im Jahr 2013 eine ganz andere! Das Sentiment ist deutlich negativer als in vorangegangenen Hochphasen, eine Überbewertung der Aktienmärkte ist fundamental betrachtet keinesfalls gegeben. Zudem: Aktienanleger sollten Indexstände nicht überbewerten.

Ein Vergleich, der hinkt

Der Vergleich der Dax-Höchststände der Jahre 2000, 2007 und 2013 hinkt allein durch die Tatsache, dass die Zusammensetzung des Dax dynamisch verläuft und in den betrachteten Jahren signifikanter Hochpunkte keinesfalls identisch ist. Zudem liegt das aktuelle durchschnittliche KGV im Gegensatz zu vergangenen Rekordmarken unterhalb des historischen Mittels von 15. Von Überbewertung und Euphorie keine Spur! Im Vergleich zu den Renditen der Anleihen mit dem Jahr 2000 steht die Welt sogar auf dem Kopf. Eine „umgekehrte Blase“ ist entstanden! Aktien sind heute im Vergleich zu Anleihen so günstig bewertet wie noch nie. Viele Dax-Konzerne machen heute einen wesentlich höheren Gewinn als im Jahr 2000!

Grundsätzlich ist es für die Anleger nicht empfehlenswert, ihre langfristige Anlagephilosophie von Indexständen leiten zu lassen. Die Aktien selbst „wissen“ nicht, wo der Index steht, in dem sie sich befinden. Ist der Dax auf Allzeithoch? Hat der Eurostoxx 50 noch enormen Nachholbedarf? Das interessiert beispielsweise die BASF-Aktie eher wenig. Dementsprechend unbeeindruckt von historisch bedeutsamen Indexständen verläuft daher die Kursentwicklung der einzelnen Aktien im Allgemeinen.

Indizes werden üblicherweise als Benchmark herangezogen, um den Anlageerfolg messbar zu machen. Dabei ist allerdings eine eingeschränkte Vergleichbarkeit zu beachten. Beim Dax Performance-Index werden die gezahlten Dividenden ohne Steuerabschlag fiktiv sofort wieder reinvestiert, zudem fallen keinerlei „Gebühren“ an. In der Realität müssen Dividenden generell versteuert werden, Transaktionskosten sind unumgänglich. Zudem erfordert die Nachbildung des Index den Kauf von „Produkten“, die ebenfalls mit einer Gebühr ausgestattet sind.

Aktien brauchen Freiraum

Aktien orientieren sich bezüglich ihrer Wertentwicklung fast ausschließlich an der unternehmensspezifischen Marktsituation selbst – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Viele Anleger machen zudem den Fehler, eine Aktie zu früh „abzustempeln“, wenn beispielsweise der völlig subjektive Einstiegszeitpunkt nicht optimal gewählt wurde. Man betreibt eine „innere Buchführung“, denkt eine Aktie sei „gut“ oder „schlecht“ und macht diese Einschätzung lediglich am eigenen, individuellen Kaufzeitpunkt fest. Eine zu kurzfristige Betrachtungsweise, die oftmals in mittel- und langfristigen Fehleinschätzungen resultieren kann.

Fazit: Die Entwicklung einer Aktie kann durch den einfachen Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage erklärt werden. Ihr subjektiver Einstiegszeitpunkt verfälscht daher Ihren rationalen Blick. Zudem spielen Indexstände, in denen die Aktie gelistet ist, eine klar untergeordnete Rolle.


Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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