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Die bösen Banken regulieren

Donnerstag, 6. Dezember 2012 um 08:54

Von Thomas Grüner
Das derzeitige Niedrigzinsniveau bringt offensichtliche Vorteile für Kreditnehmer mit sich. Egal ob Baufinanzierung, Firmen- oder Privatkredit – die Konditionen für Bankkunden sind momentan auf einem historisch günstigen Niveau. Muss man sich nun Sorgen um die Banken machen, dass diese im Kreditgeschäft kein Geld mehr verdienen? Keinesfalls!

Die europäische Zentralbank EZB ist bestrebt, im Rahmen der europäischen Schuldenkrise das Zinsumfeld niedrig zu halten und die Banken zu stabilisieren. Daher können sich die Banken selbst derzeit äußerst günstig refinanzieren. Der Leitzinssatz, den die EZB anbietet, beträgt lediglich 0,75 Prozent – für im Grunde unbegrenzte Mittel. Genug Spielraum für die Banken, um ordentliche Margen zu erzielen ohne dabei den Kunden zu vergraulen.

Das Kreditgeschäft ist für Banken also trotz niedrigen Zinsen sehr lukrativ: Die Bruttomargen bewegen sich auf einem Niveau von bis zu 2 Prozent – wesentlich höher als 2007 und vor Ausbruch der Finanzkrise. Die Banken sind auf diese Verdienste mehr denn je angewiesen – das neue Regelwerk Basel III steht vor der Tür, und die Banken sind bestrebt, den Forderungen nach höherem Eigenkapital schon jetzt nachzukommen. Das Zinsniveau erlaubt es, „still und heimlich“ höhere Margen durchzusetzen, ohne dass die Kunden das Niveau der Kreditzinsen als erhöht erachten. Dadurch bezahlt im Endeffekt der Bankkunde selbst die Rechnung für die neuen Regulierungsvorschriften.

Regulierungen können problematisch werden

Eine striktere Regulierung mag auf den ersten Blick angebracht und schlicht und einfach notwendig sein, doch auch hier gilt es zu relativieren. Die geforderten Sicherheitsstandards sind in der Praxis oftmals eher hinderlich. Letztendlich sitzen in den Aufsichtsbehörden und Aufsichtsräten keine Anlageexperten – für diese ist es somit schwer abzuschätzen, an welchem Punkt die Eingrenzung des Handlungsspielraums mehr Schaden anrichtet als sie Nutzen bringt. Neue Regelwerke sind stets mit enormen Kosten verbunden. Letztendlich können trotz enger Kontrollen Vorkommnisse wie der jüngste Handelsskandal und Betrugsfall bei der UBS nie ganz ausgeschlossen werden. Kann den Forderungen nach Eigenkapital nicht mehr mit „herkömmlichen“ Methoden wie Kreditvergabe nachgekommen werden, sehen sich Banken gezwungen, auf komplexe Produkte umzusteigen. Ein Sachverhalt, der die Banken in der Weltwirtschaftskrise – zum Zeitpunkt rekordtiefer Zinsmargen – an den Rand des Abgrunds gebracht hat.

Auch wenn die momentane Situation stabil erscheint: Vorsicht ist dann geboten, wenn dieser Zinstrend nicht anhält und die Margen der Banken in naher Zukunft wieder zurückgehen. Denn genau diese geringe Zinsmarge hatte die Banken bis 2007 dazu verleitet, immer größere und unüberschaubare Risiken einzugehen, um ihre Gewinne hochzuhalten.

Fazit: Die Banken erzielen derzeit durch die diversen Stabilisierungsmaßnahmen der EZB wieder ordentliche Margen im Kreditgeschäft. Zudem boomt das Geschäft mit Baukrediten. Im Hinblick auf Basel III eine unersetzliche Verdienstquelle – bei minimalem Risiko. Zudem ist die Zinsstrukturkurve weiterhin keinesfalls invers – dies deutet alles auf eine stabile Refinanzierungssituation im Bankensektor hin. Sollte sich etwas an dieser komfortablen Situation ändern, obliegt es auch der Verantwortung der Aufsichtsbehörden, den Handlungsspielraum der Banken nicht zu stark einzugrenzen, um keine neue Krise heraufzubeschwören.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de
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Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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