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Kaufe billig, verkaufe teuer

Mittwoch, 21. November 2012 um 14:17

Von Thomas Grüner
„Kaufe billig, verkaufe teuer“ – dieses Konzept ist einfach, einleuchtend und zeichnet einen erfolgreichen Investor aus. Fast schon zu einfach. In der Realität scheinen Faktoren zu existieren, die diesen Weg zum Erfolg entscheidend behindern und nahezu unmöglich machen. Alle Marktteilnehmer verfolgen zwar vordergründig dieses Konzept, tun aber oft genug das genaue Gegenteil. Da nun offensichtlich niemand beabsichtigt, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen, stellt sich die Frage, warum zahlreiche Investoren trotzdem routinemäßig in diese Falle tappen? Zeit für ein wenig Börsenpsychologie.

Fehler Nummer eins: Kaufe teuer!

Eine simple Wahrheit: Die größten Renditechancen bieten sich an den Tiefpunkten der Märkte. Wann genau aber sind solche Tiefpunkte – die berühmte „Stunde Null“ – erreicht? Das exakte Timing ist zugegebenermaßen sehr schwierig bis unmöglich. Mittel- und langfristig betrachtet ist es deshalb wichtig, das Marktumfeld in korrekte Relationen zu setzen. Sprechen die makroökonomischen Rahmendaten für eine Unterbewertung der Aktienmärkte? Ist Aufwärtspotential aufgrund positiver fundamentaler Daten der Unternehmen vorhanden? Dann ist der Zeitraum für einen günstigen Einstieg gegeben. „Kaufe billig“!

Diesem Konzept steht aber ein großes Problem entgegen: Angst! In Zeiten der Unsicherheit -–wenn die Märkte „billig“ sind und das tatsächliche Risiko gering – sträubt man sich gegen Investitionen in den Aktienmarkt. Man schätzt das vermeintliche Risiko viel höher ein als das tatsächliche. Die Einstiegsmöglichkeiten werden oftmals erst dann wahrgenommen, wenn eine deutliche Erholung am Aktienmarkt bereits stattgefunden hat und sich die Kurse „stabilisiert“ haben. Doch die Opportunitätskosten sind hoch: Ein Großteil der Rendite ist längst verpasst, wenn die Unsicherheit aus den Märkten gewichen ist. Unter dem Strich steht dann ein Kauf zu relativ „teuren“ Kursen.

Fehler Nummer zwei: Verkaufe billig!

Langfristige Investitionen sind oftmals der Schlüssel für nachhaltig positive Renditen. Auf diesem Weg zum Erfolg stellt sich die Mehrheit der Investoren jedoch selbst ein Bein: Durch die Begrenzung des eigenen Handlungsspielraums. Der Wunsch nach „Absicherung“ ist insbesondere in volatilen Zeiten groß – und sorgt für den Einsatz von Stop-Loss-Limits. Greift eines dieser Limits, wird schlicht und einfach billig verkauft – entgegen dem „einfachen“ Erfolgsrezept. Die Gefahr, einen temporären Tiefpunkt zu erwischen und von der anschließenden Aufwärtsbewegung ausgeschlossen zu sein, ist groß. Denn wie soll der freigewordene Betrag investiert werden? In dieselbe Aktie? Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt? Aktien haben keine serielle Korrelation! Wer mittel- bis langfristig von den Erfolgschancen eines Unternehmens überzeugt ist, sollte seiner Investition eine gewisse Schwankungsbreite zugestehen.

Fazit: Das Erfolgsrezept „kaufe billig, verkaufe teuer“ ist sehr einfach. Aus ebenso einfachen Gründen kommen Investoren in der Realität von diesem Weg ab. Psychologische Faktoren spielen dabei eine große Rolle. Die wahre Kunst ist es, niedrige Stände tatsächlich als „günstig“ zu identifizieren und sich bei seinen Entscheidungen nicht von erhöhtem Sicherheitsdenken beeinflussen zu lassen. Vor allem dann, wenn die Medien, Ihre Kollegen und die Allgemeinheit schlicht zu pessimistisch sind. Genau in der jetzigen Phase – nach einer Korrektur – winken die besten Kurschancen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter
www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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