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Vier weitere Jahre für Obama

Mittwoch, 14. November 2012 um 15:16

Von Thomas Grüner
Die amerikanische Präsidentschaftswahl stand unter einem besonderen Vorzeichen. Sowohl die Wiederwahl eines Demokraten als auch die Neuwahl eines Republikaners deuteten historisch betrachtet auf eine positive Entwicklung der Aktienmärkte im Jahr 2012 hin. Das vierte Jahr des US-Präsidentschaftszyklus neigt sich dem Ende zu und die weltweiten Aktienmärkte werden das Jahr 2012 tatsächlich positiv abschließen.

Die anschließende Fragestellung lautet: Was hat der Wahlsieg Obamas für die Zukunft zu bedeuten? Ist ein demokratischer Präsident nun gut oder schlecht für die Aktienmärkte? Welchen Einfluss kann Obama auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ausüben?

Angst vor dem Demokraten

Mehrheitlich fiel die erste Reaktion der Investoren auf die Wiederwahl Obamas eher missmutig aus. Obwohl die ersten vier Jahre in der Amtszeit Obamas durchweg positiv verlaufen sind – mit einer kumulierten Rendite von 71,8 Prozent (!) an den US-Aktienmärkten seit Beginn des Jahres 2009 – ist die Skepsis für seine zweite Amtszeit groß. Gemäß den kritischen Äußerungen der Investoren – eine überholte und nicht korrekte Weisheit – ist ein Demokrat Gift für die Aktienmärkte. Demokraten stehen insbesondere in Zeiten des Wahlkampfs für verschärfte Regulierungsmaßnahmen und Kontrolle – Märkte fürchten dies. Letztendlich sind diese Ängste jedoch unbegründet. Der tatsächliche Einfluss der Gesetzgebung auf die Entwicklung der Märkte ist oftmals eher gering. Entweder weil die Legislative die regulatorischen Maßnahmen nicht mit letzter Konsequenz durchsetzen will – aus Gründen der Wiederwählbarkeit – oder weil sie das ganz einfach nicht kann. Die oft übersehene Ursache: Ein politisches Patt!

Politischer Stillstand

Es gilt zu relativieren, welchen Einfluss die Gesetzgebung in der kommenden Amtsperiode Obamas überhaupt auf die Kapitalmärkte haben kann und wird. Generell zielt die Gesetzgebung darauf ab, Geld und Besitztümer neu zu verteilen und regulatorische Bedingungen zu installieren – die Angst vor Umverteilungen schreckt Investoren grundsätzlich ab. In der zweiten Amtszeit Obamas wird die politische Pattsituation noch ausgeprägter sein als bei all seinen demokratischen Vorgängern – Bill Clinton ausgenommen. Steht der Gesetzgebung etwas im Wege, kehrt Erleichterung ein – ebenso entsteht ein psychologischer Vorteil, wenn der Demokrat nicht den wirtschaftlichen Untergang einläutet, sondern diplomatisch agiert. Eine Abnahme der Risikoaversion kann ein mächtiger, positiver Antriebsfaktor für die Aktienmärkte sein. Genau deshalb ist die erneute politische Pattsituation positiv!

Fazit: Während in der ersten Amtszeit von Obama der Weg in die politische Mitte gesucht wurde – lediglich zwei maßgebliche Gesetzesänderungen wurden letztendlich durchgesetzt – verhindert die politische Pattsituation bezüglich Senat und Repräsentantenhaus auch in der zweiten Amtsperiode Obamas umfangreiche gesetzgeberische Eingriffe in das Marktgeschehen. Die erneut aufgeflackerte Angst der Investoren vor einem demokratischen Präsidenten wird bald verschwinden und den Märkten Erleichterung verschaffen. Die derzeit gefürchtete „fiscal cliff“ wird ihren Schrecken ebenfalls bald verlieren. Präsidenten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit sind gut für die Börse.


Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter
www.gruener-fisher.de

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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