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Steht der Yen vor dem Absturz?

Dienstag, 13. November 2012 um 15:12

Von Stefan Böhm
Die Krisen werden der Weltwirtschaft auf absehbare Zeit nicht ausgehen. Während alle Augen auf die Eurozone und die Fiskalklippe in den USA gerichtet sind, könnte sich in Japan etwas zusammenbrauen. Die Wirtschaft steckt in der dritten Rezession seit 2008. Das BIP ist im dritten Quartal um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal gefallen. Und auch im laufenden vierten Quartal wird es voraussichtlich ein Minus geben. Zwei Quartale mit einem Minus: Das erfüllt die Schulbuch-Definition einer Rezession. Das ist aber noch gar nicht einmal das Schlimmste.

Das Schlimmste sind die Verschuldung, die Haushaltslage und die chronische Reformunfähigkeit der Regierung. Die Schuldenlast beträgt 237 Prozent in Relation zum BIP. Da nehmen sich die 85 Prozent in Europa und die 107 Prozent in den USA fast bescheiden aus. Das ist aber schon lange so und war bis jetzt kein akutes Problem, weil die Anleihezinsen extrem niedrig sind und die Regierungsbonds an inländische Anleger verkauft werden können. Nun könnte sich die Lage aber zuspitzen, denn die Opposition blockiert derzeit die Regierung in der Haushaltspolitik. Die Hälfte des Staatshaushalts durch neue Schulden zu finanzieren, ist auch alles andere als nachhaltig. Eine Staatspleite wird die Opposition zwar nicht riskieren, aber die Regierung bleibt heftig unter Druck. In den nächsten Jahren soll die Umsatzsteuer angehoben werden – das würde die Konjunktur weiter ausbremsen. Zudem drohen Ratingabstufungen, was die Zinsen nach oben treiben könnte. Die Rezession und die Haushaltsschieflage sind schlecht für den Yen. Dazu kommt der anhaltende deflationäre Druck, der allerdings auch mit der geringen Wirtschaftsdynamik zusammenhängt. Verschlimmert wurde die Lage noch durch die Wachstumsschwäche in China, denn Japans Wirtschaft lebt zu einem nicht geringen Teil von den Exporten in die ostasiatischen Nachbarländer.

Yen-Stärke ist großes Problem

Die japanische Währung legte in den vergangenen beiden Jahren dennoch kräftig zu, was vor allem an den Kapitalzuflüssen in den vermeintlich sicheren Anlagehafen Japan im Zuge der Eurokrise liegt. Der starke Yen verschärft die Probleme der Exportwirtschaft zusätzlich und ist daher Notenbank und Regierung ein Dorn im Auge. Die Geldpolitik konzentriert sich daher mangels anderer Instrumente inzwischen hauptsächlich darauf, den Yen wieder schwächer zu machen. Ende Oktober hat die Bank of Japan eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms beschlossen: Es sollen pro Jahr Anleihen im Wert von 8 Prozent des BIPs gekauft werden. Dadurch wird die Notenbankbilanz stark aufgebläht. Und auch dies schadet der Stabilität der Währung.

In den vergangenen Monaten hat der seit März 2012 wieder aufgekommene Aufwertungsdruck auf den Yen nicht nur nachgelassen, der Wechselkurs Dollar/Yen hat auch seinen charttechnischen Abwärtstrend gebrochen. Das lag auch an der Entspannung in der Eurokrise, die zu einem Nachlassen der Zuflüsse in den „sicheren Anlagehafen Yen“ geführt hat. Dollar/Yen könnte damit seine lange Phase der Bodenbildung beendet haben.

Fazit: Die US-Wirtschaft befindet sich trotz aller Widrigkeiten auf Erholungskurs, während Japan seine Probleme nicht in den Griff bekommt. Das spricht mittelfristig für einen Kursanstieg von Dollar/Yen. Wir wollen daher für unser Anlagedepot ein Long-Zertifikat auf Dollar/Yen mit niedrigem Hebel kaufen. Das Risiko bei dieser Spekulation: Wenn die Spannungen am Finanzmarkt wieder stark zunehmen sollten, würde der Yen vermutlich unter Aufwertungsdruck kommen. Aber dies wäre aus unserer Sicht nur vorübergehend der Fall, denn die Bank of Japan wird alles tun, um den Yen abzuwerten.

Stefan Böhm ist Chefredakteur des DaxVestor.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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