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Woche der Entscheidungen endet schwach

Freitag, 9. November 2012 um 21:52

Von Stefan Böhm
Die Ernüchterung nach der Wahl in den USA kam schnell. Der Dow Jones-Index verzeichnete starke Verluste und auch beim Dax ging es nach unten. Doch wenn die vergangenen Monate und Jahre eines gezeigt haben: Starke Kursbewegungen haben nicht mehr dieselbe Aussagekraft wie früher, denn die Volatilität an den Börsen hat wegen der geringen Umsätze zugenommen.

Für die negative Stimmung gibt es mehrere Gründe: So richten die Anleger ihr Augenmerk wieder mehr auf die Fiskal-Klippe, die weiterhin die konjunkturelle Erholung in den USA gefährdet. Allerdings hat sich nach der Wahl die Ausgangslage nicht grundlegend verändert. Im Gegenteil: Durch den klaren Wahlsieg Obamas könnten unseres Erachtens die Chancen auf einen Kompromiss gestiegen sein. Den Republikanern dürfte es schwer fallen, ihre Blockadehaltung beizubehalten. Klar ist aber auch, dass dieses Thema die Börsen in den nächsten Wochen in Atem halten wird.

Europas Wirtschaft taumelt

Dazu kamen wieder sehr schwache Konjunkturdaten aus Europa, die die Sorgen um die Eurokrise verstärkten. Auch in Deutschland enttäuschten die Zahlen zur Industrieproduktion und den Auftragseingängen im September. Das könnte bedeuten, dass die deutsche Wirtschaft nach einem guten dritten Quartal im letzten Vierteljahr ins Minus rutscht. Auch aus Spanien kamen schlechte Zahlen. Immerhin laufen aber die Anleiheauktionen gut. Spanien kann wohl seinen Kapitalbedarf in diesem Jahr ohne die Hilfe der EZB decken. Ministerpräsident Rajoy freut dies, will er doch unbedingt Auflagen von außen vermeiden. An den Börsen sorgt dies aber für Unsicherheit. Apropos Unsicherheit: Die Entscheidung über Griechenland wird immer weiter nach hinten verschoben. Nach EU-Angaben sollen neue Kredite erst Ende November freigegeben werden.

Bei den Quartalszahlen der Dax-Unternehmen gab es sowohl Licht (Siemens, Münchener Rück, HeidelbergCement) als auch Schatten (Adidas, Deutsche Post). Insgesamt sind aber die deutschen Unternehmen von einer Krise immer noch weit entfernt. Und das wird sich auch nicht ändern. Gegenwind ja, Geschäftseinbruch nein. So hat Siemens in seinem vierten Geschäftsquartal trotz der schwierigen Konjunktur ein leichtes Umsatzplus erzielt. Noch mehr freut aber die Anleger, dass ein milliardenschweres Sparprogramm angekündigt wurde. Der lange Zeit hartnäckige charttechnische Widerstand bei 80,00 Euro wurde zeitweise überwunden. Die Aktie kann mittelfristig weiter steigen. Im Grunde läuft es bei der Deutschen Post nicht schlecht: Die Logistiksparte DHL und das Paketgeschäft verzeichnen starke Umsatzzuwächse. Ergebnisseitig konnten die Quartalszahlen die hohen Erwartungen aber nicht bestätigen. Die Aktie fiel unter den seit Ende 2011 bestehenden Abwärtstrend zurück und dürfte nun erst einmal seitwärts tendieren. Die Commerzbank dagegen kündigte anlässlich der Vorlage des Quartalsberichts weitere deutliche Einsparungen und eine Umkrempelung des Filialgeschäfts an. Viele hatten sich aber mehr erhofft, vor allem bessere Zahlen. Es kam bei der volatilen Aktie daher zu Gewinnmitnahmen. Trotzdem: Die Aktie bleibt unterbewertet und kann mittelfristig wieder zulegen.

Fazit: Der Dax ist nach einem kurzen Abstecher über die Marke von 7.400 Punkten am Mittwoch wieder unter die Marke von 7.200 Punkten zurückgefallen. Für einen Ausbruch nach oben scheint derzeit die Unsicherheit einfach zu groß zu sein. Nach unten ist weiterhin die Unterstützungszone bei 7.100/7.000 Punkten maßgeblich. Allerdings hat die seit Juni bestehende Aufwärtstrendlinie keine Gültigkeit mehr. Der Index bleibt in einer Seitwärtsbewegung, wobei die Abwärtsrisiken derzeit überwiegen.

Stefan Böhm ist Chefredakteur des DaxVestor.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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